100 Jahre Herzberg – 100. Todestag A.W. Krasnapolsky

Archiv Sonderblatt 4/2012

von Michael Utecht

Bereits für das Jahr 1895 ist die erste Einzel-Pflanzaktion im Herzberg überliefert: Initiiert von einem Peiner „Comité“ wurde anlässlich des 80. Geburtstages von Otto von Bismarck eine „Bismarckeiche“ im so genannten „Liebesgrund“ gepflanzt. Daneben wurde gleichzeitig ein Gedenkstein mit der Jahreszahl 1895 gesetzt.

1896 kaufte die Stadt für 28.750 Mark das ca. 25,5 ha umfassende und als Ackerland genutzte Herzberggelände von der „Königliche[n] Regierung, Abtheilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten zu Hildesheim“.

Ein Jahr später, am 2. April 1897 beschlossen die städtischen Kollegien „die Aufnahme eines Betrages von 3000 M. aus dem Landes-Aufforstungsfonds“ und man begann umgehend (vermutlich 1898) mit der Bepflanzung einer insgesamt rund 25 ha großen Fläche.

Für die Erhaltung und weitere Ausgestaltung der Herzberganlagen setzte sich insbesondere der 1893 gegründete Verschönerungsverein ein. So bat der Verein im November 1905 den Magistrat, „im Interesse der Erhaltung des Herzberges und seiner Bepflanzungen die Gewinnung von Sand am Herzberge in absehbarer, nicht zu ferner Zeit, einzustellen.“ – Bereits im April 1906 erfolgte die Schließung der Sandgrube. Auch in den folgenden Jahren engagierte sich der Verein für den Herzberg, z. B. 1910: „Durch die erfreuliche Ausgestaltung der Herzberganlagen hat sich der Verein veranlasst gesehen, einige neue Bänke daselbst aufzustellen […] und so macht die Verschönerung unserer Stadt rasche Fortschritte. Es ist dies die Anlage von Schmuckplätzen und der Ausbau der Herzberganlagen, die schon jetzt ihresgleichen in weiter Runde kaum finden dürften.“

Die Stadt forstete das Gebiet kontinuierlich auf, wie u. a. einer Pressenotiz zu entnehmen ist: „Aus dem Bericht des Senators Krawehl über die städtischen Aufforstungsarbeiten ist von Interesse, daß in der Zeit von 1898 seitens der Stadt am Herzberge 60 Morgen aufgeforstetsind, 20 Morgen bis Oktober 1908 und fernere 20 Morgen bis Oktober 1911 angepflanzt werden sollen. Zu demselben Zweck sollen fernere 5 Hektar an der nordwestlichen Ecke des Herzberges nach dem Sundern zu erworben werden.“

Weitere Verschönerungsmaßnahmen waren aber durchaus geboten, wie ein Auszug aus dem Sitzungsprotokoll der städtischen Kollegien (Magistrat und Bürgervorsteher) vom 23. März 1911 offenbart. Der schriftlich fixierte Wunsch von Bürgervorsteher-Wortführer Behrens, den Waldcharakter des Herzberges zu erhalten, wurde von Bürgermeister Meyer mit einem Randvermerk versehen, der auf den bis dahin eher schlichten Zustand hinweist: „Die Herzberganpflanzungen tragen bislang den Charakter einer Baumschule und nicht eines Waldes. Erst durch die Arbeiten des Stadtgärtners Henning wird die Anlage zu einem Waldpark umgeschaffen.“

Beginn der grundlegenden Erweiterung der Anlagen 1911
Im Auftrag des Bürgermeisters arbeitete Stadtgartenmeister Wilhelm Henning 1911 Pläne aus zur Erweiterung und Neugestaltung der Anlagen – inklusive Kostenvoranschlag in Höhe von 30.000 Mark. Damals eine stolze Summe, deren Bewilligung dem Gremium der städtischen Kollegien oblag. Bürgermeister Meyer war sich dieser Hürde bewusst: „Es war mir klar, daß diese Summe niemals bewilligt werden würde“. Er wandte sich daher – ohne Wissen der städtischen Kollegien – zunächst an den in Peine aufgewachsenen A.W. Krasnapolsky, inzwischen wohlhabender Besitzer des „Grand Hotel Krasnapolsky“ in Amsterdam. Der frühere Peiner Mitbürger zeigte sich großzügig und stellte dem Bürgermeister 30.000 Mark zur Verschönerung des Stadtbildes zur freien Verfügung. Am 27. Juli 1911 stand das Herzberg-Vorhaben unter TOP 2 auf der Tagesordnung der Sitzung der städtischen Kollegien: „Beschlussfassung über die weitere Aufforstung und Ausgestaltung der Herzberganlagen sowie Bewilligung von Geldmitteln zur Ausführung.“ Nachdem Stadtgartenmeister Henning die Pläne zur Anlage des Parks erläutert hatte, beantragte der Bürgermeister „20.000 M aus Dispositionsmitteln zu bewilligen, während 10.000 M von privater Seite gestiftet sind.“ 

Der Sprecher der Bürgervorsteher, „Bürgervorsteher-Wortführer“ Behrens erklärte sich zwar „mit der Neubepflanzung der 20 Morgen an sich“ einverstanden, die Kosten schienen ihm jedoch zu hoch und er forderte, den Eichenweg, der sich um den Kern der Anlage zog, unverändert zu lassen. „Nach längerer Debatte“ änderte Bürgermeister Meyer seinen Antrag, indem er den Eichenweg ausklammerte und beantragte „9000 M aus Dispositionsmitteln zu bewilligen unter der Bedingung, dass 10 000 M von
privater Seite gestiftet werden.“ Nach weiteren kontroversen Debatten kam es schließlich zur Abstimmung, in der einstimmig für den Antrag des Bürgermeisters votiert wurde.

Nun gab Meyer bekannt, „daß der Stifter nicht 10 000 M, sondern 20 000 M zur Verfügung gestellt habe und stellte den Antrag, den Eichenweg in der beantragten Weise mit herstellen zu lassen.“ Dies wurde einstimmig angenommen und zudem der städtische Zuschuss auf 10.000 Mark aufgestockt.

100. Todestag von A. W. Krasnapolsky/100 Jahre Herzberg
100. Todestag von A. W. Krasnapolsky/100 Jahre Herzberg
100. Todestag von A. W. Krasnapolsky/100 Jahre Herzberg
Neu gestaltete Herzberganlagen nach der Krasnapolsky-Spende 1912
100. Todestag von A. W. Krasnapolsky/100 Jahre Herzberg
Adolph Wilhelm Krasnapolsky/Krasnapolsky-Gedenkstein im Herzberg

Erst in der anschließenden vertraulichen Sitzung rückte Meyer mit der ganzen Wahrheit heraus: „… daß von einem früheren Peiner Bürger 30 000 M zur Verschönerung der Stadt Peine gestiftet seien mit der Bestimmung, daß er (der Bürgermeister) über die nähere Verwendung zu bestimmen habe. Der Stifter wolle nicht genanntsein. Er bitte die Stiftung mit dem aufrichtigen Danke gegen den Stifter anzunehmen, was einstimmig geschieht.“ 

Eine anekdotisch ausgeschmückte Variante dieser Episode – im Sitzungsprotokoll findet sich hierzu kein Hinweis – ist ebenfalls überliefert: „Bürgermeister Meyer gab, nachdem er das Vorhaben erläutert hatte, bekannt, dass eine Spende von 10.000 Mark es nun möglich mache, die Ausbauarbeiten in Angriff zu nehmen. Als Beleg blätterte er die Summe in Tausendmarkscheinen auf den Tisch und beantragte die Bewilligung der fehlenden 20.000 Mark. Doch die Bürgervorsteher wollten lediglich 9000 Mark bewilligen – unter der Bedingung, dass von privater Seite noch 10.000 Mark fließen müssten. Nach Einwurf seitens des Kollegiums, der unbekannte Stifter möge noch weitere 10.000 Mark spendieren, griff der Bürgermeister erneut in die Tasche und legte zur allgemeinen Verblüffung noch einmal 10.000 Mark auf den Tisch. Jetzt wurde dem Antrag ohne Einwände zugestimmt.“

Schon eine Woche später verbreitete sich der Name des Spenders und wurde in der Presse veröffentlicht. Bei der Ausführung der Arbeiten im Herzberg wurde zur Erinnerung an den am 22.04.1912 verstorbenen Stifter ein Gedenkstein aufgestellt. Mit der Inschrift: „Dem Gedächtnis des hochherzigen Stifters A.W. Krasnapolsky 1912“.

Krasnapolsky-Gedenkstein im Herzberg
Aufstellungsdatum: 1912
Standort: Herzberg, am Krasnapolsky-Weg
Inschrift: „Dem Gedächtnis des hochherzigen Stifters A. W. Krasnapolsky 1912“

Bezugsquelle: Stadtarchiv Peine, AF 22/6, Bd.7; BF 257, Nr. 216; Dieckhoff, J.: Geschichte des Peiner Herzbergs. Peine, o.J.; Peiner Zeitung, verschiedene Ausgaben der Jahre 1910, 1911, 1912.

Der Text stammt aus dem Flyer „Archiv Sonderblatt 4/2012“ 100. Todestag A.W. Krasnapolsky/ 100 Jahre Herzberg.