125 Jahre zentrale Wasserversorgung – Peines Wassertürme

Archiv Sonderblatt 1/2013

Erst während der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts wurde das Gelände um den heutigen Friedrich-Ebert-Platz, die sogenannten „Worthgärten“, zum ersten geschlossenen Wohngebiet außerhalb von Wall und Stadtgraben. Um 1900 war die Bebauung der Straßen um den Platz im Wesentlichen beendet.

Ursprünglich wurde die Fläche im Bereich des Wasserturms Pferdemarkt oder Hengstmarkt genannt, aufgrund der dort im 19. Jahrhundert regelmäßig abgehaltenen Jahrmärkte mit Pferdehandel. Im westlichen Teil des Platzes befanden sich Sandgruben, die erst in den 1880er Jahren mit Walzwerkschlacken verfüllt wurden. 1889
erfolgte die Umbenennung in „Wilhelmsplatz“ nach dem deutschen Kaiser Wilhelm. 1929 erhielt der Platz seinen heutigen Namen nach Friedrich Ebert, dem ersten Präsidenten der Weimarer Republik. In der NS-Zeit in Wilhelmsplatz rückbenannt, heißt das Areal seit dem 6. Juli 1945 wieder Friedrich-Ebert-Platz.

Vor der Fertigstellung des Wasserturms im Jahre 1888 wurde die öffentliche Wasserversorgung in der Stadt Peine ausschließlich durch Brunnen gewährleistet, die an zahlreichen Stellen im Stadtgebiet zu finden waren.

Gelegentlich war das Brunnenwasser jedoch so schlecht, dass man nicht mehr ohne weiteres daraus trinken konnte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann der Magistrat der Stadt schließlich, sich über eine zentrale Wasserversorgung Gedanken zu machen. Das Vorhaben nahm konkrete Gestalt an, als Max Röer 1883 sein Amt als Bürgermeister antrat. Durch den Ausbruch der Cholera in Ägypten aufgeschreckt; wurde noch im Herbst jenes Jahres das Wasser der öffentlichen Brunnen einer chemischen
Analyse unterzogen; denn die Gefahr der Verseuchung der Brunnen durch Sickerwässer war bekannt.

Krankheitserreger im Brunnenwasser
Das Untersuchungsergebnis war katastrophal: Bei einer größeren Anzahl Brunnen waren bei der mikroskopischen Untersuchung lebende Organismen zu erkennen und man kam zu dem Ergebnis, dass die Brunnen „gesundes Trinkwasser nicht enthalten können.“

Neben den miserablen hygienischen Gegebenheiten sprach noch ein zweiter Grund für die schnelle Einrichtung einer zentralen Wasserversorgung: Wenn ein Feuer in der Stadt ausbrach, war es schwierig, schnell genügend Wasser zu beschaffen. Die Stadtgräben gaben meist nicht genügend her und auch die Brunnen lieferten nur unzureichend Wasser.

125 Jahre zentrale Wasserversorgung – Peines Wassertürme
125 Jahre zentrale Wasserversorgung – Peines Wassertürme
125 Jahre zentrale Wasserversorgung – Peines Wassertürme
Der Friedrich-Ebert-Platz mit dem Wasserturm um 1905
125 Jahre zentrale Wasserversorgung – Peines Wassertürme
Der Wasserturm im Herzberg

Bereits im folgenden Jahr befassten sich die städtischen Kollegien mit dem Bau einer Wasserleitung für die gesamte Stadt. Der „Civilingenieur Pfeffer zu Halle a/S.“ wurde beauftragt, einen Vorschlag zur Lösung des Trink- und Abwasserproblems auszuarbeiten. Am 12. Dezember 1884 bewilligten die städtischen Kollegien den Bau eines Trinkwasserwerkes und die Einrichtung einer Schwemmkanalisation. Letzteres bedeutete allerdings lediglich, dass die Abwässer in die Fuhse gespült werden sollten.

Endgültig beschlossen wurde das Projekt jedoch erst drei Jahre später, am 12. April 1887. Umgehend wurde der von Pfeffer vorgelegte Entwurf von dem Ingenieur Conrad aus Leipzig ausgeführt. Am Fuße des Herzbergs, wo ein ausgedehnter Grundwasserstrom für genügend Nachschub in bester Qualität sorgte, wurden Brunnen angelegt und das Maschinenhaus errichtet.

Wasserleitung am Netz
Am 1. Februar 1888 ging das neue Wasserwerk offiziell in Betrieb. Erstmals wurde chemisch reines und bakterienarmes Trinkwasser vom Herzberg in die Stadt befördert.

Auf dem Friedrich-Ebert-Platz – der höchstgelegenen Stelle im Stadtkern – wurde der Wasserturm in Betrieb genommen. Dort sorgte er für den nötigen Leitungsdruck, speicherte überschüssige Fördermengen und sicherte bei erhöhtem Verbrauch die Wasserversorgung.

Wurden anfangs 218 Haushalte versorgt, waren es bis 1910 schon 1151. Der steigende Wasserverbrauch machte die Erweiterung des Rohrnetzes, die Anlage neuer Brunnen und einen weiteren Wasserturm notwendig. Dieser wurde im Jahre 1908 auf dem Herzberg errichtet. Der Turm auf dem Friedrich-Ebert-Platz diente jetzt zum Ausgleich des Wasserdrucks.

Bis 1954 wurden Peines Bürger vom Herzberg aus mit Wasser versorgt. Seitdem versehen der Wasserverband, bzw. seine Vorläufergesellschaften diesen Dienst.

Gleichzeitig mit dem 1990 neu gestalteten, 23 000 Quadratmeter großen Friedrich-Ebert-Platz wurde auch der Wasserturm restauriert und durch ein künstliches Bachbett erweitert.

Bezugsquelle: Stadtarchiv Peine, RF 264, Nr. 42; Valentin, Gerda: Peiner Alltagsgeschichte(n). Peine 1992; Kellner-Deppner, Christine: Trinkwasserversorgung in Peine seit dem Mittelalter. Peine 1992. Fotos: Stadtarchiv, PeMa

Der Text stammt aus dem Flyer „Archiv Sonderblatt 1/2013“ 125 Jahre zentrale Wasserversorgung – Peines Wassertürme