Aumanns Garten

Archiv Sonderblatt 2/2020

von Andreas Kulhawy

Das Ausflugslokal „Aumanns Garten“ oder, später, „Parkhaus“ genießt bei vielen alten Peinern einen fast legendären Ruf, obwohl es seine beste Zeit bereits in den Jahren zwischen 1897 und 1914 erlebte. Gelegen war es nahe des heutigen Frei- und Hallenbades P3 am Neustadtmühlendamm. Es nahm ungefähr die Fläche des Freibad-Parkplatzes und vom Sportplatz des TSV Marathon Peine von 1953 e. V. ein – insgesamt ein Areal von fast zwei Hektar!

Zu Beginn des Unternehmens deutete nichts auf die Entstehung eines auch über die engeren Stadtgrenzen hinaus bekannten Ausflugslokals hin: Am 29. September 1895
reichte der 1860 in Peine geborene, umtriebige Maurermeister/Bauunternehmer, Bäckermeister, Schankwirt und spätere „Werfthilfstechniker“ Hermann Aumann beim
Stadtmagistrat einen Plan zwecks Errichtung eines Zweifamilienwohngebäudes bei den Fischteichen auf seinem Grundstück im Kiebitzmoor ein. Er wolle dort eine Fischzucht einrichten. Die Wohnungen seien für den Fischmeister und den Teichwärter.

Bereits am 09. Oktober 1895 genehmigte der Magistrat das Projekt, allerdings vorbehaltlich späterer Entscheidungen hinsichtlich der Straßenführung in jenem Gebiet oder gar eines noch zu erstellenden Bebauungsplanes. Anspruch auf Herstellung eines auf öffentliche Kosten ausgebauten Zufahrtsweges hatte Aumann ausdrücklich nicht.

Ein unruhiger Geist wie Aumann war jedoch offensichtlich nicht fähig, sein Fischzuchtprojekt in der einmal genehmigten Form durchzuführen. Bereits bei der Bauabnahme im Februar 1896 wurden am nunmehr als Villa bezeichneten Wohnhaus ungenehmigte Veränderungen des ursprünglichen Projektes festgestellt und für den Mai des Jahres ist in den Akten die Rede von einem „Wohnund Geschäftshaus“. Dennoch legte die Peiner Verwaltung dem Geschäftsmann keine Steine in den Weg – unter den damaligen gesetzlichen Gegebenheiten offenbar kein Problem!

Spätestens seit August/September 1897 führte Aumann dann vorbereitende Gespräche mit der Stadtverwaltung hinsichtlich einer weiteren Umgestaltung seiner Fischzucht. Am 19. November war es dann soweit: Aumann stellte den Antrag, sein Anwesen im Kiebitzmoor zu einer „Restauration“ umbauen zu dürfen. Bald hieß es in der Peiner Bevölkerung, Aumann sei die Idee zu seinem Unternehmen in Erinnerung an einen früheren Aufenthalt in den USA gekommen. Neben den Gasträumen entstanden nun eine  Kegelbahn, ein Schießstand, Spielgeräte für Kinder und stille Grotten für Liebespaare. Selbst ein künstlicher Wasserfall sollte errichtet werden. Die durch einen Kanal verbundenen ehemaligen Fischteiche verwandelten sich in kleine Seen mit bis zu 10 Meter hohen Fontänen, auch Kahnfahrten wurden angeboten. Im Winter war selbstverständlich Schlittschuhfahren möglich. Die Mitte des einen Teiches zierte ein durch Brücken mit den Ufern verbundener Pavillon, in dem regelmäßig bekannte Peiner Kapellen wie jene der „Stadtmusikdirektoren“ Otto Troitsch oder Max Fritsche aufspielten. Als Gipfel damaligen Luxus waren große Teile der Anlagen mit elektrischer Beleuchtung versehen – vorbildlich mit Windkraft gewonnen (siehe Mitte des oberen Bildrandes)! 

Aumanns Garten
Aumanns Garten
Aumanns Garten
Postkarte von „Aumann’s Garten“ (um 1900)
Aumanns Garten
Einladung des Peiner „Gewerkschafts-Kartells“ zum Gewerkschafts-Fest aus der Peiner Tages Post vom 30. Juli 1911

Bereits um 1905 deutete sich ein Ende von Aumanns Wirtskarriere an. Offenbar geriet er nur wenige Jahre nach Eröffnung seines Lokals in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
Kommunale Steuern blieb er schuldig und bereits 1906 erfolgte der Verkauf seines Etablissements an den Brauereibesitzer Ernst Härke. Aumann klagte, wegen einer
Steuerschuld von nur 34 Mark sei seine gesamte Habe – inklusive vier Häuser – unter den Hammer gebracht worden. Für ihn begann nun eine unruhige Zeit: Ende September 1907 zog er zunächst nach Ragösen im Umland von Potsdam. Schon wenige Monate später war er nach Sigmaringen verzogen und schließlich vermerkte im Jahre 1912 – nach Anfrage des Amtsgerichts Riddagshausen – ein städtischer Angestellter in Peine auf Aumanns alter Meldekarte, dieser sei mittlerweile als „Werfthilfstechniker“ in Wilhelmshaven tätig.

Doch wie ging es mit „Aumanns Garten“ nach dem Verkauf an Ernst Härke weiter? Zunächst erfolgte eine Umbenennung in „Parkhaus“. Das Lokal blühte auf, war Treffpunkt der jungen und der ein kleines Vergnügen im damals noch ruhigen, weil medienarmen Alltag suchenden Peiner.

Vereine und Verbände feierten hier gern ihre Feste – die Anzeige des Peiner „Gewerkschafts-Kartells“ aus der Peiner Tagespost vom 30. Juli 1911 gibt hiervon beredtes
Zeugnis!

Dann jedoch kam der Erste Weltkrieg mit all seinen Beschränkungen und daran schlossen sich die schweren wirtschaftlichen Krisen der frühen 1920er Jahre an. Es war eine Zeit in der unzählige kleine und große Firmen in Schieflage gerieten und nur allzu oft schließen mussten! Im Fall von Aumanns Garten tat der moorige Untergrund, der die Fundamente der Bauwerke besonders schnell zersetzte sein Übriges. Es begann eine Zeit allmählichen Rückbaus, wiederholter Verkäufe und des Niedergangs.

So wurde das Anwesen von der Brauerei Härke unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg an den Gastwirt Wilhelm Rolle verkauft. Unter seiner Führung wurde 1921 ein Teich mit dem Schutt des Vorgängerbaus unserer heutigen Festsäle – des „Belvedere“ – zugeschüttet und dort der Fußballplatz des Sportclubs „Komet“ eingerichtet. Am 09. März 1929 kam es zu einer weiteren Zwangsversteigerung des Parkhauses. Nun erwarb die Peiner Gewerbebank das Anwesen für 44.500 Mark. 1941 erwarb die Brauerei Langkopf die Anlagen in einer abermaligen Zwangsversteigerung und veräußerte den weitaus größeren Teil des Geländes gleich weiter an die Stadt Peine. Der Restaurationsbetrieb sollte deutlich verkleinert in neuen Gebäuden weitergeführt werden. Die Stadt beabsichtigte, ganz im Geist der Zeit, ein modernes „Sportfeld“ in enger Verbindung zum Freibad zu errichten. Der Gedanke der Wehrertüchtigung scheint mehr als deutlich durch die Zeilen der entsprechenden Meldung der Peiner Zeitung vom
3/ 4. Mai 1941!

Unter der Leitung der Brauerei Langkopf wurde eine „Stehbierhalle“ errichtet, die 1952 sogar noch erweitert werden sollte. Das Äußere des Gebäudes war nun äußerst schlicht – ganz wie die Bezeichnung des Etablissements. In der Nachbarschaft, auf dem nunmehr städtischen Teil des Parkhausgrundstücks war bereits 1950/ 51 ein Pfadfinderhaus errichtet worden. Insgesamt hielt der Rückbau auf dem ehemaligen Parkhausgelände unvermindert an.

Schließlich wurden die letzten Gebäude des Parkhauses, die mittlerweile in den Besitz der Peiner Heimstätte übergegangen waren, wegen abgesackter Fundamente und
zu hoher Sanierungskosten zum Jahreswechsel 1971/72 abgerissen. Heute erinnert immerhin noch der Name „Parkhausplatz“ des Sportplatzes des TSV Marathon Peine v. 1953 e. V. DJK an die ehemalige Ausflugs- und Vergnügungsstätte.

Bezugsquelle: Stadtarchiv Peine: Rep 15/ 02, Nr. 215 u. Nr. 245

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Der Text stammt aus dem Flyer „Archiv Sonderblatt 2/2020“ Aumanns Garten.