Bahnstation Peine 1851

Archiv Sonderblatt 3/2002

von Michael Utecht

Nach Eröffnung der Bahnlinie Hannover -Braunschweig im Jahre 1844 verkehrten hier zunächst drei Personenzüge täglich in beide Richtungen.

Der Peiner Bahnhof gehörte natürlich zu den obligatorischen Haltepunkten. Auch als die Zahl der Personenzüge sich auf fünf erhöhte, rauschte kein Zug durch. Für die Peiner eine Selbstverständlichkeit, die im Jahre 1851 ein unerwartetes Ende nahm.

Der ab 1. Mai gültige neue Fahrplan war mit der Einführung eines Schnellzugsystems verbunden und brachte eine gravierende Veränderung mit sich: künftig sollten hier täglich nur noch vier Züge halten.

Widerspruchslos wollte man sich damit aber nicht abfinden, sondern versuchte das Vorhaben zu verhindern, gewissermaßen in letzter Minute.

Am 30. April richtete Kaufmann Oekermann im Namen mehrerer Bürger die „ehrerbietige Bitte“ an den Peiner Magistrat, „ungesäumt … solche Schritte und Maßnahmen zu ergreifen, welche diesem großen Uebelstand abhelfen und der Eisenbahndirektion es klar machen, wie stiefmütterlich dieselbe gegen Peine denkt.“

Schließlich sei es eine Tatsache, „daß der Eisenbahnverkehr von hier aus oder nach hier, auf der ganzen Strecke der verhältnismäßig bedeutendste ist.“ Peine habe den Rang einer „Hauptstation“ und demnach „ … ist es doch eine gewiß billige Forderung des hiesigen Publikums, daß alle Züge an einer Station wie Peine einige Minuten anhalten.“

Bahnstation Peine 1851
Bahnstation Peine 1851
Bahnstation Peine 1851
Peines erstes Bahnhofsgebäude, erbaut 1845
Bahnstation Peine 1851
Peiner Fahrplan 1849

Wie gewünscht, schickte der Magistrat eine Eingabe an die Eisenbahndirektion in Hannover. Dort räumte man zwar ein, daß der neue Fahrplan der Stadt Peine „einen Theil der bisher gehabten Vortheile in Benutzung sämmtlicher Züge entzogen hat…“, beharrte aber auf der getroffenen Entscheidung.
 Außerdem hielt man fest, „daß die Station Peine auch gegenwärtig noch durch 4 tägliche Züge in beiden Richtungen … Vortheile des Eisenbahnverkehrs genießt, wie solche manche der bedeutendsten Städte auf unseren Nachbarbahnen nicht haben.“

Im übrigen würde ein Halt in Peine das dem neuen Projekt zugrundeliegende Prinzip unterlaufen; ein „Schnellbahnsystem“, von dem auch Peine profitieren würde: „Der erfreuliche Nutzen der Schnellzüge für den Verkehr, die beschleunigte Correspondenz, wird übrigens binnen kurzem auch für Peine gewährt werden, indem eine Einrichtung unverzüglich bevorsteht, nach welcher bei dem langsamen Durchfahren auf dem dortigen Bahnhofe von dem im Zuge befindlichen Preußischen Postbüreau Briefbeutel ausgeworfen und durch ein an einer Stange befindlichem Netz angenommen werden sollen.“

Inwieweit diese Art der Briefbeförderung sich als zweckmäßig erwiesen hat, ist leider nicht bekannt. Langfristig durchsetzen konnte sie sich in der Form zumindest nicht.

Bezugsquelle: Stadtarchiv Peine RF 97, Nr. 12 veröffentlicht in: PAZ, 17.12.1994/ Illustr.: Eisenbahnfahrplan 1849, PZ, 15.12.1849 Peines erstes Bahnhofsgebäude, erbaut 1845

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Der Text stammt aus dem Flyer „Archiv Sonderblatt 3/2002“ Bahnstation Peine 1851