Die Denkmäler an der Kirche in Gadenstedt

An der evangelisch-lutherischen, denkmalgeschützten St. Andreas Kirche in Gadenstedt erinnern gleich mehrere Denkmäler sowie eine Geschichts- und Erinnerungstafel des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. an vergangene und geschichtlich prägnante Zeiten. An zwei der hier aufgestellten Denkmäler ist es uns leider nur ansatzweise gelungen Namen und konkrete Zahlen einander zuzuordnen. Und da kommen auch Sie schon ins Spiel, wenn man das an dieser Stelle so nennen darf. Wenn Sie die fehlenden Daten oder falsche Informationen richtig stellen können und möchten, so schreiben Sie uns bitte an Redaktion. Die Stellen an denen uns die passenden Informationen fehlen sind einem + versehen. Wir freuen uns auf jede Ihrer Zuschriften an die Redaktion

Zu den Glocken, die links und rechts des großen Denkmals der „Vermissten“ aufgestellt sind, steht folgendes geschrieben.

Diese Gusseisernen Glocken waren Ersatz für die Bronzeglocken, die durch die Folgen des 1. Weltkrieges eingeschmolzen wurden. Sie riefen von 1920 bis 2010 zu Gottesdiensten auf und wurden dann durch drei Bronzeglocken ersetzt.

Zu den Inschriften am Denkmal der Vermissten des 1. und 2. Weltkrieges.

Gadenstedt

Ich lebe und ihr sollt auch leben

Unseren

Gefallenen

beider Weltkriege 

zum Gedächtnis

Gemeinde Gadenstedt

Gadenstedt

19141915
Hermann Sott 22.8.Willi Weber 13.6.
Gustav Manzke 25.8.Alfred Thies 23.6.
Hermann Behrens 4.9.Hermann Pape 30.3.
Wilhelm Meier 7.9.Hermann Becker 1.5.
Hermann Feuge 20.9.Willi Blume 17.7.
Albert Rudolf 27.9.Rudolf Gimpel 30.7.
Otto Meier 14.10Heinrich Fiene 6.8.
Heinrich Gieseke 28.10.Gustav Meier 4.9.
Albert Weber 4.11.Otto Armgard 1.10.
1915Wilhelm Stöter 22.11.
Theodor Schütte 2.2.1916
Joachim von Buchwald 16.2.Heinrich Bütticher 7.3.
Hermann Pape 30.3.Heinrich Fink 12.3.
Hermann Becker 1.5.Karl Brandes 17.3.
Gustav Meier 17.5.Albert Möllring 30.4.
Karl Pape 16.6.

Unsere Vermissten 19421939
Gottfried Marzahn 25 Jahre altHeinz Bögeholz 18 Jahre alt
Rudolf Tröll 31 Jahre altHugo Stoewenau 48 Jahre alt
Karl Hesse 32 Jahre altFritz Frommert 41 Jahre alt
Kurt Pinske 19 Jahre alt1940
Heinrich Vollmer 26 Jahre altHeinrich Kappe 20 Jahre alt
Karl Ihle 32 Jahre altErich Bulau 24 Jahre alt
Hermann Schierding 32 Jahre altPaul Pankalla 21 Jahre alt
Erich Flechtner 29 Jahre altErnst Loeschke 18 Jahre alt
Otto Meyer 22 Jahre alt1941
1943Wilhelm Bode 28 Jahre alt
Otto Bodenstedt 29 Jahre alt Heinrich Bodenstedt 24 Jahre alt
Erich Backhaus 34 Jahre altHugo Sackmann 19 Jahre alt
Albert Gehrs 32 Jahre alt Karl Wenzel 34 Jahre alt
Rudolf Gube 32 Jahre alt Karl Lege 32 Jahre alt
Wilhelm Rump 17 Jahre alt Helmut Lehmgrübner 21 Jahre alt
Heinrich Behrens 21 Jahre altLeonhard Bürger 27 Jahre alt
Hans Hermann Büchsel 19 Jahre altJoachim Dalmer 49 Jahre alt

Gadenstedt
Gadenstedt
Gadenstedt

Unsere Vermissten 1941Unsere Vermissten 1943Unser Vermissten 1944
Ernst Schliebaum 27 Jahre altFriedrich Baxmann 18 Jahre altWilli Kamin 20 Jahre alt
Alfred Saffe 27 Jahre altEmil Girod 31 Jahre altFriedrich Geldmacher 36 Jahre alt
1942Kurt Wagener 22 Jahre altFranz Hartwig 23 Jahre
Willi Lichtenberg 28 Jahre altKarl Kappe 40 Jahre altHeinrich Gehrke 19 Jahre alt
Wilhelm Böcker 36 Jahre altWilhelm Voges 35 Jahre altGottlieb Schiller 39 Jahre alt
Richard Möllring 19 Jahre altPaul Bahr 22 Jahre altHeinz Liebig 20 Jahre alt
Heinrich Schierding 18 Jahre altWerner Uthe 27 Jahre altKarl Eckert 57 Jahre alt
Karl Bahrmann 31 Jahre altKarl Heinz Jaster 19 Jahre altAugust Baumgart 31 Jahre alt
Alfred Brandes 20 Jahre altBernhard Paust 20 Jahre altAlfons Pantke 17 Jahre alt
Hermann Bodenstedt 26 Jahre altJoachim Nowotny 22 Jahre altFriedrich Hagendorf 27 Jahre alt
Karl Könnecker 29 Jahre altMartin Radde 20 Jahre altAlwin Butz 54 Jahre alt
Heini Burgdorf 26 Jahre alt1944Heinrich Geisler 29 Jahre alt
Gustav Ihle 29 Jahre altRobert Voges 35 Jahre altHermann Helbsing 41 Jahre alt
Otto Warnecke 21 Jahre altWilhelm Dettmer 33 Jahre altRichard Ölkers 36 Jahre alt
Heinrich Peters 29 Jahre altRudolf Ely 23 Jahre altWalter Jahn 20 Jahre alt
Wilhelm Kramke 31 Jahre altOtto Eifler 23 Jahre alt 1946
Robert Schaare 18 Jahre altKurt Pfeiffer 40 Jahre altBernhard Elhoff 35 Jahre alt
Herbert Matthay 22 Jahre alt1944Unsere Vermissten 1945
Fritz Nerkelun 31 Jahre altWilhelm Peters 33 Jahre altFriedrich Wuttke 31 Jahre alt
1943Wilhelm Behrens 35 Jahre altKarl Borsum 18 Jahre alt
Heinz Skerka 23 Jahre altWilli Gröger 31 Jahre altAlois Dietrich 33 Jahre alt
Wilhelm Schmolke 23 Jahre altGerhard Rump 24 Jahre altOtto Berndt 31 Jahre alt
1941Gustav Kaune 36 Jahre altAdolf Hauf 49 Jahre alt
Ekkehard Wiese 25 Jahre altGustav Rösemann 38 Jahre altHermann Breymann 35 Jahre alt
1942 Otto Beinicke 34 Jahre altWilli Poppe 38 Jahre alt
Erich Kurzke 52 Jahre altWalter Klenner 33 Jahre altKarl Helbsing 36 Jahre alt
Gustav Klippel 33 Jahre alt Ferdinand Brandes 33 Jahre altJosef Kinne 22 Jahre alt
Heinz Pape 21 Jahre altWilli Bodenstedt 24 Jahre altKurt Salomo 33 Jahre alt
1943Karl Piepenbrink 38 Jahre altGerhard Hippler 20 Jahre alt
Walter Kohlrusch 25 Jahre altWilli Witulski 38 Jahre alt Georg Klemd 38 Jahre alt
Gustav Fabricius 24 Jahre altHermann Bode 40 Jahre altPaul Fieber 41 Jahre alt
1944Karl Heinz Schaper 20 Jahre altKurt Scholze 32 Jahre alt
Gustav Ohms 26 Jahre altHelmut Backhaus 21 Jahre altJoh. Hildebrand 36 Jahre alt
Albert Siedelmann 32 Jahre altHermann Brandes 19 Jahre altWilhelm Klingenberg 40 Jahre alt
Friedrich Pape 35 Jahre altKarl Schrader 47 Jahre altWilhelm Gehlken 43 Jahre alt

Inschriften am schwarzen Denkmal auf einem Sockel

Tausende blieben im Kampfe für das Vaterland. Doch unsere Kämpfer alle erhielt uns Gottes Hand

H. Mumme – Gardist, K. Klages, K. Babst – Musketier, C. Pape, Th. Föste – Füsilier, K. Homann – Musketier, C. Behrens, H. Euling, W. Lüddecke, H. Lochte, K. Heuer

Den Kämpfern vom 18.06.+ gewidmet vom Krieger Verein in Gadenstedt 1895 

F. Helbsing – Gefreiter, F. Hesse, K. Thies, H. Feuge, L. Rump – Dragoner, K. Pape, A + Gadenstedt +, E. Vordemann +, K. Peiers, W. Deckel, Ch. Güllermann +, H. Kubermann +

Gadenstedt
Gadenstedt

Bei diesem Denkmal fehlen uns die Daten zu sämtlichen Inschriften. Es ist einiges leserlich, aber es fehlen oft jegliche Zusammenhänge. + An dieser Stelle ist Ihre Hilfe gefragt. Schreiben Sie uns dazu gerne an die Redaktion. Weitere Informationen dazu sind im folgenden zu lesen.

Gadenstedt

Geschichts- und Erinnerungstafel Gadenstedt

Eine Informationstafel des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Am 1. September 1939 begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der zweite Weltkrieg. Mehr als 55 Millionen Menschen verloren ihr Leben. 

Während des Zweiten Weltkrieges setzte das nationalsozialistische Deutschland bis zu 20 ausländische Zwangsarbeiter im „Großdeutschen Reich“ und in den besetzten Gebieten ein. Darunter waren auch bis zu 6 Millionen sowjetische Kriegsgefangene. Sie wurden aus rassistischen Gründen besonders schlecht behandelt. Etwa die Hälfte von Ihnen hat die Gefangenschaft nicht überlebt. 

Sowjetische Kriegsgefangene bei der Ilseder Hütte 

Gadenstedt

Im Landkreis Peine setzte die Ilseder Hütte mit ihren Betrieben in Peine, Groß Ilsede, Klein Bülten, Groß Bülten und Lengede die größte Zahl an Zwangsarbeitern ein. Beim Hochofenwerk in Groß Ilsede mussten knapp 300 sowjetische Kriegsgefangene arbeiten. Sie gehörten zum Arbeitskommando Nr. 3414 des Kriegsgefangenenstammlagers (Stalag) XI B Fallingbostel. Die Unterkunftsbaracken des Kommandos lagen im Südwesten des Werksgeländes auf dem Gemeindegebiet von Gadenstedt. Verstorbene sowjetische Kriegsgefangene durften nach den Vorschriften nicht auf den Gemeindefriedhöfen beigesetzt werden. Daher wurden 17 Tote zwischen September 1942 und März 1943 in dem heute östlich der B444 gelegenen Teil des Bolzberges beigesetzt, der Eigentum der Gutsbesitzerin Victoria von Gadenstedt war. Die Gefangenen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren waren den harten Arbeits- und Lebensbedingungen bei der Ilseder Hütte zum Opfer gefallen.

Bei Kriegsende rückten mit den westlichen Alliierten sowjetische Verbindungsoffiziere vor. Zu ihren Aufgaben gehörte es, Gräber sowjetischer Bürger zu erfassen. Auf Anweisung der Besatzungstruppen musste die Ilseder Hütte im August 1945 eine Stele mit den Namen der 17 Toten und der russischen Inschrift „Ewigen Ruhm den Opfern des Faschismus“ auf der Grabanlage im Bolzberg errichten. Außerdem verpflichtete sich die Ilseder Hütte, für die Pflege der Gräber zu sorgen. 

Der Umgang mit den Gräbern nach dem Krieg

Nachdem der Landkreis Peine 1961 beim Verkauf des Gutes Gadenstedt den Bolzberg erworben hatte, bemühte er sich um eine Verlegung der Gräber. Die Motive hierfür sind nicht bekannt, wahrscheinlich sollten Folgekosten für die Pflege vermieden werden. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen dem Landkreis, der Ilseder Hütte, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und der Bezirksregierung Hildesheim wurden die Toten 1963 auf die Kriegsgräberstätte „Am unteren Pfauenteich“ in Clausthal-Zellerfeld umgebettet. Die Stele wurde ebenfalls dorthin transportiert, aber nicht wieder errichtet. Vermutlich passte sie nicht zu dem anderen dort aufgestellten Denkmal und wurde daher durch eine anders gestaltete Säule ersetzt. 

Nach der Umbettung geriet der ehemalige Friedhof im Bolzberg in Vergessenheit und wurde vom Wald überwuchert. Nur bei genauer Suche entdeckt man heute noch Reste des Fundamentes der Stele und einige Vertiefungen der ehemaligen Grabstellen. Die Erinnerung an die Zwangsarbeit sowjetischer Kriegsgefangener bei der Ilseder Hütte verblasste. 

Nachforschungen zum Friedhof im Bolzberg im Jahr 2014 ergaben zufällig, dass die Stele aus dem Bolzberg in drei Teile zerbrochen auf dem Bauhof in Clausthal-Zellerfeld aufgefunden worden war. Am 9. Mai 2015, dem 70. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus, wurde die Stele wieder in Gadenstedt errichtet, um ein würdiges Gedenken an die Opfer der Zwangsarbeit bei der Ilseder Hütte zu ermöglichen. 

Über die sowjetischen Kriegsgefangenen, die im Hochofenwerk Groß Ilsede eingesetzt waren, gibt es nur wenige Informationen. Von einigen von Ihnen sind jedoch die Personalkarten erhalten, mit denen die Wehrmacht alle Kriegsgefangenen registriert hat. Darauf sind persönliche Daten, Lazarettaufenthalte sowie Arbeitskommandos eingetragen.

Zu den Fotos auf der Tafel ist folgendes beschrieben:

Bild 1) Das Hochofenwerk der Ilseder Hütte in Groß Ilsede, ca. 1927. Rechts unten sind die Baracken zu erkennen, die ab 1942 auch für die Kriegsgefangenenlager genutzt wurden. (Stadtarchiv Peine)

Bild 2) Reste des Fundaments der 1945 errichteten Stele auf dem Gelände des ehemaligen Friedhofs im Bolzberg (Foto: Wolfgang Klingenberg)

Bild 3) Mit diesem Holzschild war das Grab von Alexej Martschuk im Bolzberg markiert. Martschuk stammte aus dem Gebiet Odessa in der Ukraine. Er war im Mai 1942 bei Kertsch in Gefangenschaft geraten und kam im September 1942 vom Arbeitskommando Salzgitter-Drütte zur Ilseder Hütte nach Groß Ilsede. Dort starb er nach knapp zwei Wochen. Das Holzschild befindet sich heute in der Heimatstube Gadenstedt. (Foto: Thomas Kuczniers)

Bild 5 und 6) Aleksandr S. Tschernota (1919 – 1943)

Aleksandr Tschernota wurde 1919 in einem Dorf im Gebiet Winniza in der heutigen Ukraine geboren. Dort lebte er vor dem Krieg mit seiner Frau als Landarbeiter. Er geriet bereits sieben Tage nach dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 in Gefangenschaft. Seine Registrierung erfolgte im Stalag XI D Oerbke. Anschließend durchlief er zahlreiche Arbeitskommandos im westlichen und südlichen Niedersachsen. Zunächst gehörte er ab September 1941 zu den ersten sowjetischen Kriegsgefangenen, die bei der Zuckerfabrik in Nörten-Hardenberg arbeiten mussten. 

Zum 1. Dezember 1941 wurde er zum Arbeitskommando bei der Zuckerfabrik in Northeim versetzt, das in der Zuständigkeit des Stalag XI B Fallingbostel lag. Knapp drei Wochen später brachte man ihn in die Stadt des KdF-Wagens, das heutige Wolfsburg. Im Juli 1942 war er für knapp zwei Wochen aus unbekannten Gründen im Lazarett Wolfenbüttel. Anfang November 1942 kam er zum Arbeitskommando nach Groß Lafferde. Seit dem 1. Dezember 1942 war er auf dem Hochofenwerk in Groß Ilsede eingesetzt. Hier starb er am 15. Januar 1943. Die Todesursache ist nicht bekannt. 

Beschreibung zu den Bildern: Personalkarte von Aleksandr Tschernota. Die Wehrmacht erstellte für jeden Kriegsgefangenen eine Personalkarte mit den wichtigsten Informationen. (Dokumentationsstelle Dresden der Stiftung Sächsische Gedenkstätten)

Gadenstedt, Mai 2015

Diese Tafel wurde finanziell ermöglicht durch den Kreisheimatbund Peine e.V., die Heimatgruppe Gadenstedt e.V. sowie Matthias und Wolfgang Klingenberg. Die Wiederaufstellung und Restaurierung des Gedenksteins erfolgte kostenlos durch den Steinmetzbetrieb Ritter-Wagner aus Groß Lafferde. 

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. ist eine humanitäre Organisation und widmet sich der Aufgabe, die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland zu erfassen, zu erhalten und zu pflegen. Unter dem Motto „Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“ betreibt der Volksbund als einziger Kriegsgräberdienst der Welt eine eigenständige Jugend- und Schularbeit. Ausgehend von den Gräbern der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft erfahren junge Menschen in den Projekten des Volksbundes, dass Meinungsfreiheit, die Wahrung der Menschenrechte, Demokratie und Frieden keine Selbstverständlichkeit sind, sondern das Engagement jedes Einzelnen erfordern. Der Volksbund hat auch eine beratende Funktion bei Kriegsgräbern im Inland. Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.volksbund-niedersachsen.de

Gadenstedt
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