Die Geschichte der Peiner Burg und des Amtmann-Ziegler-Gartens

von Michael Utecht

„Wann die Burg Peine entstanden ist und wer sie erbaut hat, liegt im Dunkel der Geschichte“, notierte der Peiner Chronist Quaritsch bereits zu Beginn des vorigen Jahrhunderts. Eine auch heute noch gültige Feststellung, denn über Entstehung, Aussehen und Erbauer der ersten Peiner Burg gibt es keine historisch gesicherten Belege. Die geographischen Gegebenheiten lassen jedoch vermuten, dass hier schon früh – wahrscheinlich bereits vor der ersten Jahrtausendwende – eine befestigte Anlage gestanden hat. Wie im Mittelalter zunächst üblich, wird es sich um einfache Bauten gehandelt haben: Eine kreisförmige Palisade, umgeben von einem mit Wasser gefüllten Graben, ein hölzerner Turm und einige Blockhäuser.

Die Befestigung diente wahrscheinlich der Überwachung des Handels, der sich über die nahegelegene Fuhsefurt vollzog, und sie lag strategisch günstig: Der Burgberg befand sich an der Spitze einer Landzunge, ausgedehnte Feuchtgebiete auf drei Seiten gewährten einen natürlichen Schutz. Durch künstliche Aufschüttungen wurde der Burgberg im Laufe der Jahrhunderte erhöht.

Berthold von Peine ist der erste urkundlich genannte Bewohner der Burg. Auf dem Reichstag in Braunschweig im Jahre 1130 beurkundet Kaiser Lothar III. einen Gutsverkauf. Unter den zur Bestätigung der Urkunde aufgeführten Zeugen taucht auch „Berotoldus de Pagin“ (= Peine) auf. Diese Urkunde existiert allerdings nur in einer Abschrift aus dem 16. Jahrhundert.
Weder über die Herkunft Bertholds noch seine Funktion in Peine ist Genaues bekannt. Er wird auch in späteren Urkunden niemals als Graf bezeichnet, sondern sein Name
erscheint stets im Verbund anderer Ministerialer (= Dienstleute) der sächsischen Herzöge. Offensichtlich besaßen Lothar III. und seine welfischen Nachkommen die Grafenrechte in und um Peine, und Berthold verwaltete als Ministerialer der Welfen die Grafschaft Peine. Die Bezeichnung „de Pagin“ oder „de Pain“ leitet sich daher vom Wohnsitz Bertholds in der Burg Peine ab.
Im Übrigen wird in der (älteren) lokalen Geschichtsschreibung auch als Überlegung in Betracht gezogen, dass Berthold selbst Erbauer der Burg gewesen sein könnte, da
die Angabe des Herkunftsortes „von Peine“ erstmalig im Zusammenhang mit seinem Namen erfolgt.

Bertholds Sohn und Nachfolger Ludolf wird zum ersten Mal im Jahre 1154 in einer Urkunde Heinrichs des Löwen erwähnt, 1160 wird Ludolf als Graf bezeichnet. Er begleitet Heinrich den Löwen auf seinen Kriegszügen, vermutlich auch auf dem Zug nach Jerusalem 1172.
Nach der Rückkehr scheint es zu Spannungen zwischen Ludolf und den Welfen gekommen zu sein (in der lokalen Geschichtsforschung findet man auch die Auffassung, dass es sich hier bereits um Ludolf II. handelt, den Sohn Ludolfs des Älteren). Als Heinrich dem Löwen 1180 von Kaiser Friedrich Barbarossa sämtliche Lehen, darunter
wohl auch die Grafschaftsrechte in Peine, entzogen wurden, schloss sich Ludolf der Partei der Staufer an – mit verheerenden Folgen.
Der gestürzte Herzog ging nach England ins Exil, kehrte aber nach dem Tod Barbarossas 1190 zurück. Gemeinsam mit seinen Söhnen rüstete er sich, um die Burgen der von
ihm abgefallenen Gefolgsleute zu stürmen. Ludolf von Peine war unter den zuerst Angegriffenen. Bereits nach zweitägiger Belagerung musste die Burgbesatzung kapitulieren. Wie die Braunschweiger Reimchronik berichtet, wurde die Peiner Burg 1193 (nach anderen 1192) bis auf den Grund zerstört: „Unde wart ör holt unde ör steyne allent neder gebrochen.“
Die schnelle Eroberung der Burg lässt darauf schließen, dass die ursprüngliche Befestigung nicht sehr stark war. Immerhin ist die Existenz von Steinbauten belegt, und die
Burg Peine wird erstmals erwähnt.
Ludolf jedenfalls überlebte den Angriff und arrangierte sich mit den Welfen. Schon 1194 erhielt er sein Peiner Anwesen zurück und ließ die Burg neu aufbauen. 1199 tauchte Ludolf letztmalig in einer Urkunde des Pfalzgrafen Heinrich als „Graf von Peine“ auf. Er starb um das Jahr 1200 ohne männliche Nachkommen zu hinterlassen. 

Die Geschichte des Burgparks
Die Geschichte des Burgparks
Die Geschichte des Burgparks
Die mittelalterliche Peiner Burg während der Hildesheimer Stiftsfehde
Die Geschichte des Burgparks
Stadt und nähere Umgebung Peines im Jahr 1725
Die Geschichte des Burgparks
Älteste teilperspektivische Darstellung des Peiner Schlosses aus dem Jahr 1675

Gunzelin wird Burgherr in Peine
Die Grafenrechte gingen auf den Bischof von Hildesheim über, Grafschaft und Burg Peine fielen an Gunzelin von Wolfenbüttel, dessen Verwandtschaft mit dem verstorbenen Ludolf möglich, aber nicht eindeutig erwiesen ist. Auch das genaue Datum der Übernahme von Ludolfs Erbe durch Gunzelin ist nicht bekannt, doch wird seine Einsetzung in die Grafschaftsrechte Peines bereits kurz nach der Jahrhundertwende erfolgt sein.

Als Truchsess von Otto IV. hatte Gunzelin wenig Zeit, sich um Peiner Belange zu kümmern. Er begleitete seinen Herrn auf dessen Kriegszügen gegen den staufischen Konkurrenten und folgte ihm in seinem Zug zur Kaiserkrönung nach Rom. Nach dem Tod Ottos 1218 wechselte Gunzelin ins Lager der Staufer. Von Kaiser Friedrich II. 1222 zum kaiserlichen Botschafter in Tuscien ernannt, hielt er sich während dieser Zeit hauptsächlich in Italien auf.
Spätestens nach seiner Rückkehr im Jahre 1223 gründete Gunzelin unmittelbar neben der Burg eine städtische Ansiedlung, aus der sich die heutige Stadt Peine entwickelte.
Wie dem „Chronicon Hildesheim“ zu entnehmen ist, kam es schon kurz nach der Stadtgründung zum offenen Konflikt mit dem Bischof Konrad von Hildesheim. Dieser ließ um 1223/24 in dem nur wenige Kilometer von Peine entfernten Rosenthal eine Gegenstadt errichten.

Um seinen Besitz zu sichern, belagerte Gunzelin die Burg Rosenthal, musste sich aber nach Peine zurückziehen, als Streitkräfte aus Hildesheim anrükkten. Hier wiederum wurde er von den bischöflichen Soldaten eingeschlossen. Da Gunzelin die Befestigungsanlagen der Burg bereits hatte ausbauen können, mussten die Hildesheimer die Belagerung der Burg ergebnislos abbrechen.
Nach Gunzelins Rückzug aus kaiserlichen Diensten um das Jahr 1236 wurde die Burg Peine sein Hauptaufenthaltsort. Mit seinen Söhnen versuchte er zwischen Fuhse und Oker ein eigenständiges Herrschaftsgebiet aufzubauen. Zu einem verschärften Konflikt kam es, als Gunzelin dem von den Gegnern der Staufer aufgestellten Gegenkönig Wilhelm von Holland den Huldigungseid verweigerte. König Wilhelm verhängte die Reichsacht über Gunzelin und belehnte Herzog Albrecht von Braunschweig mit Burg und Grafschaft Peine. Den offenen Kampf erlebte der um 1254/55 verstorbene Gunzelin aber nicht mehr.
Am 22. Juli 1255 griff Herzog Albrecht dessen Söhne auf ihren Burgen an. Als erstes eroberte er die Festung Wolfenbüttel. Während hier eine Belagerung von wenigen Tagen genügte, fiel die Asseburg erst nach jahrelanger schwerer Belagerung.
 1256 fiel Herzog Albrecht mit seinem Heer in das Stift Hildesheim ein und eroberte u.a. die Burg Rosenthal. Wie die Braunschweiger Reimchronik berichtet, gelang es ihm auch, sich der Stadt Peine zu bemächtigen. Die Burg, als letzte Bastion von Gunzelins Familie, hielt jedoch der Belagerung stand.

Schließlich mussten Gunzelins Söhne ihren Widerstand aufgeben, der auf Dauer offenbar über ihre Kräfte ging.

Am 28. Juni 1258 schloss Burchard von Wolfenbüttel (ein Sohn Gunzelins) mit Bischof Johann einen Vertrag. Burchard selbst und seine Söhne Burchard, Ekbert und Hermann erhielten die Hälfte von Grafschaft, Burg und Stadt Peine als hildesheimisches Lehen. Beide Parteien verpflichteten sich, die jeweilige Besitzhälfte im Fall einer Veräußerung nur dem Vertragspartner zu überlassen.
Vermutlich schon ein Jahr später veräußerte Burchard den als Lehen erhaltenen Teil an Bischof Johann, zur Bezahlung seiner Schulden. Im Jahre 1260 fiel Peine endgültig an das Stift Hildesheim: Bischof Otto kaufte von den Erben des Grafen von Poppenburg die von Burchard verpfändeten Lehensrechte an der Burg Peine zurück.
In den folgenden drei Jahrhunderten regierte in Peine jeweils ein vom Bischof eingesetzter Drost oder Amtmann. Zeitweise verpfändete der Bischof aus akutem Geldmangel das nunmehrige Amt Peine mit Stadt und Burg an einheimische Adelsfamilien. So kontrollierten die Herren von Schwicheldt über einen längeren Zeitraum das Amtsgebiet. Die Burg diente ihnen auch als Stützpunkt für Raubzüge ins Braunschweigische. 1393 wurde Hans von Schwicheldt durch Friedrich von Braunschweig bei Beinum gefangen genommen und den Raubzügen damit ein Ende gesetzt

Die Burg in der Stiftsfehde
Im Mittelpunkt harter kriegerischer Auseinandersetzungen standen Burg und Stadt Peine in der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523). Nachdem es zwischen Bischof Johann IV. und der Ritterschaft zum offenen Streit und diversen Kämpfen gekommen war, weitete sich der Konflikt im Jahre 1519 zur ernsten Fehde aus.
Peine lag als befestigtes Vorwerk an der nördlichen Hildesheimer Bistumsgrenze, unmittelbar am Machtbereich der Gegner: den Braunschweiger Herzögen, die mit den Calenbergern verbündet waren.

Die Stadt wurde 1519 von den Belagerern eingenommen und ging, nachdem sich ihre Einwohner auf die Burg zurückgezogen hatten, in Flammen auf. Dreimal wurde die Burg monatelang belagert, unter großen Opfern verteidigt und hielt allen Eroberungsversuchen stand. Allerdings nicht unbeschadet.
Bereits bei der ersten Belagerung wurden die beiden Haupttürme so stark beschädigt, dass sie einstürzten, bzw. von der Burgbesatzung abgebrochen werden mussten. Die älteste Darstellung des Burgbereichs findet sich auf der Peiner Hochzeitsschüssel von 1534, die eine Belagerungszene aus jener Zeit wiedergibt. Im Mittelpunkt der
Abbildung steht die Peiner Burg auf einem nahezu runden Burgberg, ringförmig umgeben von einem breiten Wassergraben. Der Burgwall ist durch dicke Eichenpfähle gesichert, die im Uferbereich eine Palisade bilden und gleichzeitig den Burghügel hinauflaufen. Auf halber Höhe des Berges sind einige Kasematten erkennbar, aus denen auf die Angreifer geschossen wird. Links neben einem achtekkigem Turm im Zentrum der Anlage steht ein niedrigerer, massiver Turm, offensichtlich der sogenannte „Günzel“ – ein möglicherweise schon zu Gunzelins Zeiten errichtetes Bauwerk.
 Während der zweiten Belagerung 1521 wurde dieser Turm durch schweren Beschuss zerstört: mit der Absicht ihn in den Burggraben stürzen zu lassen, um seine Trümmer als Übergang zu nutzen. Doch der Burgbesatzung gelang es, ihn rechtzeitig mit Ketten zu sichern, so dass er in den Burghof fiel. Unbezwungen überstand die Burg auch die dritte Belagerung. Aus jener Zeit stammt der vom Volksmund geprägte Spruch „Peine was maket so feste, dat de Ule blev sitten in’n Neste“. Seither ist die Eule das
Symbol für Wachsamkeit und Standhaftigkeit und der Rettung Peines aus schwerer Kriegsnot. Die in der Stiftsfehde zerstörten Gebäude ersetzte man durch schlichte Neubauten und verzichtete auf Türme und Zinnen. Das Hauptgebäude war zweistöckig mit massivem Untergeschoss und Fachwerkobergeschoss. Auf der Nordostseite schloss sich ein von niedrigen Wirtschaftsgebäuden umgebener Hof an. Zugang zur Burg hatte man von zwei Seiten: über eine Zugbrücke vom Markt oder von Nordwesten im Bereich der heutigen katholischen Kirche über eine zur Auffahrt umgestaltete Eckbastion. Nur von hier aus gelangte man direkt in den inneren Bereich des
Schlosses.
Im Jahre 1608 richtete Bischof Ernst auf dem Peiner Schloss eine Münzstätte ein. Diese hatte jedoch keinen guten Ruf, viele Münzen wurden minderwertig geprägt oder gefälscht. Am 1. Juli 1627 wurde die Münzstätte durch bischöfliche Verfügung aufgehoben.

Die Geschichte des Burgparks
Gunzelin - Denkmal am Gröpern
Die Geschichte des Burgparks
Der Schloßberg („Bastion“); Situationsplan aus dem Jahre 1895
Die Geschichte des Burgparks
Die Geschichte des Burgparks
Die Geschichte des Burgparks
Die mittelalterliche Peiner Burg während der Hildesheimer Stiftsfehde 1519 - 1523 (Stich nach einem Gemälde des 17. Jahrhunderts)

Umbau des Schlosses
Im Dreißigjährigen Krieg erlebte die Stadt alle Schrecken des Krieges mit Truppendurchzügen, Besatzungen und Plünderungen; die Burgbesatzung wechselte zwischen Kaiserlichen, Schweden und Braunschweigern. Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel ließ 1633 die Wälle der Stadt abtragen und den Graben zuschütten,
so dass die Stadt Angreifern schutzlos ausgeliefert war. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 entschloss sich der Fürstbischof von Hildesheim, Peine als
Festung auszubauen. Am 26. Juli 1659 wurde mit Aushebungsarbeiten und dem Einrammen der Fundamentpfähle begonnen. Baumaterial wurde aus dem gesamten Stift herangeschafft, die Grundsteinlegung zum eigentlichen Festungsbau erfolgte im Jahre 1660. Einzelne in der Nähe der Schlossanlage stehende Häuser ließ der Bischof abreißen, der ehemals runde Burgberg erhielt eine neue Form: ein nahezu quadratischer Grundriss mit hakenförmigen Eckbastionen, die einige Meter höher waren als der Schlosshof. Der Graben bekam eine Breite von ca. 15 bis 20 Metern. Ein detailliertes Bild dieser Anlage liefert die teilperspektivische Stadtansicht des Jahres 1675 (aus dem Plan „Grenzabriss Peine-Meinersen“).
Das Haupthaus diente den in der Amtsverwaltung tätigen Beamten als Dienstwohnung. Daneben gab es eine Schreiberei, ein Waschhaus, das „Graue Haus“ (vermutlich das 1816 abgebrochene Zeughaus), Stallungen, ein Pforthaus, ein „Lusthaus im Garten“ und ein „Lusthaus auf dem Walle“, außerdem das alte Stockhaus des Grafen von Westphalen. Aus genauen Stadtplänen des späten 18. Jahrhunderts, unterstützt durch aktuelle Grabungen, lässt sich die neugestaltete Anlage des Schlossberges relativ exakt rekonstruieren. So bestand die Brücke über den Schlossgraben Richtung Marktplatz aus mindestens zwei massiven Sandsteinbögen und einer beweglichen Zugbrücke, die ihrerseits durch ein Torhaus auf dem Schlossberg gesichert wurde.
Im Jahre 1661 waren die innere Befestigungsanlage der Stadt fertiggestellt und die finanziellen Mittel des Stiftes ausgeschöpft. Die ursprünglich geplante Fortsetzung des Festungsausbaus konnte nicht mehr realisiert werden. Nur noch vergleichsweise bescheidene Bauten, wie das Zeughaus auf dem Schloss, der Pulverturm am gleichnamigen Wall und das als Landesgefängnis vorgesehene Stockhaus wurden bis 1663 errichtet. Von der Stadt finanziert wurde der Bau der Wachthäuser an den Toren
und auf dem Marktplatz. Mit der Renovierung der 1612 erbauten katholischen Kirche und dem Neubau des heute als Pfarrhaus genutzten Kapuzinerklosters im 18.
Jahrhundert endete die fürstlich hildesheimische Bautätigkeit.

Verfall und Abriss der Schlossgebäude
Im Verlauf des 18. Jahrhunderts verschlechterte sich die Bausubstanz aufgrund mangelnder Instandsetzungsarbeiten zusehends. Die Wachthäuser konnten Ende des 18. Jahrhunderts von den Soldaten nur noch unter Lebensgefahr betreten werden, sicher war auch das Schloss bereits sanierungsbedürftig. 1797 wurde – offenbar wegen Baufälligkeit – das sogenannte Waschhaus abgerissen.

Nach der Annektion des Hochstiftes Hildesheim durch Preußen im Jahre 1802 wurde die in Peine stationierte fürstlich hildesheimische Miliz entwaffnet, und die gesamten im Zeughaus lagernden – meist älteren – Kanonen, Gewehre und Munitionsbestände entfernt und verkauft. Am 19. Dezember 1803 begannen die Abrissarbeiten auf dem
Schlossgelände. Als erstes fielen die Schlossmauern, deren Steine für den Neubau eines Gesindehauses in Hofschwicheldt verwandt wurden. Dann waren die Scheunen und das Hauptgebäude an der Reihe, letzteres aber wohl nicht vor 1813. In diesem Jahr kam es zur Veräußerung des Schlossberges samt noch vorhandener Gebäude. Käufer war der Domänenpächter Mertens im Auftrag des französischen Generals Friedrich. Auch nach dem Besitzerwechsel wurden die Abbrucharbeiten am Schloss fortgesetzt, dessen einst unbezwingbare Mauern nun ein tristes Ende fanden: der größte Teil der Bruchsteine diente als Straßenschotter der Wegebesserung in Rosenthal und Schwicheldt. 1816 verschwand das letzte Schlossgebäude. Nachdem bei einem Sturm am 16. Februar die gesamte Nordseite des alten Zeughauses eingefallen war, riss man das baufällig gewordene Gebäude ab. Nur der Burgbrunnen verblieb als letztes Relikt und wurde noch eine Zeit lang von den Bewohnern der Dammgemeinde genutzt.

Die Geschichte des Burgparks
Die Burg Peine während der Hildesheimer Stiftsfehde. Darstellung auf der Peiner Hochzeitsschüssel von 1534
Die Geschichte des Burgparks
Bronze-Skulptur der Peiner Eule im Stadtpark. Eine Eule soll der Legende nach während der Hildesheimer Stiftsfehde die Peiner gewarnt haben/Plan der Schloßanlage 1790
Die Geschichte des Burgparks
Auszug aus der Generalgrenzkarte von 1771
Die Geschichte des Burgparks
Der Amthof im Jahre 1859 Links das heutige Grundbuchamt, rechts der Schloßbrunnen

Neue Nutzung des Schlossgeländes
Die hannoverschen Behörden begannen nun das Schlossgelände zum Verwaltungszentrum auszubauen. 1818 entstanden auf dem Areal des ehemaligen Zeughauses Amtslokal und Gefängnis, zwei Jahre später erhielt der damalige Amtsassessor Ziegler eine Dienstwohnung: das heutige Grundbuchamt (Am Amthof 4).
Hinter diesem Gebäude befand sich ursprünglich der eigentliche Ziegler-Garten.
Die 1818 als Landschaftsgarten gestaltete Fläche hatte vorher den seit 1669 in Peine residierenden Kapuzinermönchen als Gemüsegarten gedient.
Neue Baumaßnahmen wurden erst wieder in preußischer Zeit nach 1866 durchgeführt. So wurde die neue katholische Kirche im Jahre 1868 eingeweiht.

1893 erwarb die Stadt Peine einen Teil des Schlossberges, die sogenannte Bastion. Bei der etwa vier Meter hohen Erdaufschüttung handelte es sich um die nördliche Eckbastion der frühneuzeitlichen Schlossbefestigung. Zusätzlich erwarb die Stadt den davorliegenden Heller, ein zum Fischteich verbreiterter Rest der alten Grabenanlage, sowie den ehemaligen „Großen Schlossgarten“. Hier errichtete die Stadt das Ratsgymnasium und die Burgschule. Die Bastion ließ die Stadt gegen den Widerstand der Bezirks und Provinzialregierung abtragen und verfüllte mit dem Erdreich den Heller. Das neu gewonnene Gelände wurde zur heutigen Burgstraße ausgebaut.
Im selben Zeitraum ließ der Staat das heute noch stehende Gefängnis erstellen, Amtslokal und altes Gefangenenhaus wurden an den Landkreis veräußert. Die Kreisverwaltung errichtete hier im Jahre 1900 das heute als „altes Kreishaus“ bezeichnete Gebäude. Aufgabenzuwachs und Platzmangel veranlassten den Kreis
1952/53 zum Bau eines neuen Kreishauses. Das alte preußische Landratsamt musste dem Neubau des 1954 fertiggestellten großen Sitzungssaales weichen. Das „alte Kreishaus“ dagegen verkaufte der Kreis an den Justizfiskus.

Der Amtmann-Ziegler-Garten
Vor allem ältere Peiner verbinden mit dem Bereich des Schlossberges das ehemalige Wohnhaus des Amtmann Dr. Johann Friedrich Ziegler. 1815 trat er seinen Dienst als Amtsassessor in Peine an und führte später als zweiter Beamter die Verwaltungs- und Justizgeschäfte des Amtes Peine. Unter anderem oblag dem Amtmann die Leitung des Peiner Gefängnisses, er war weltlicher Kirchenkommissar und Steuerrichter des Amtes. Aufgrund seines herrischen Wesens und seiner selbstherrlichen Art war er sowohl bei Kollegen als auch in der Bevölkerung verhasst. Besonders gefürchtet waren Zieglers überaus harte Polizeistrafen.
Nach seiner Zwangspensionierung im Jahre 1852 entschloss er sich auf dem 1822 von seiner ersten Frau erworbenen Grundstück „Am Amthof“ ein Wohnhaus zu errichten. Die hier von den Zieglers 1823 errichtete Scheune wurde zu einem repräsentativen Bürgerhaus umgebaut. Aufgrund seiner prächtigen neogotischen Fassade gehörte es zu den Schmuckstücken der Stadt. Die letzten Nachkommen des Amtmanns vererbten Haus und Grundstück der Stadt Peine. Diese sah sich gezwungen, das im Laufe der Jahre baufällig gewordene und vom Einsturz bedrohte Gebäude im Januar 1971 abreißen zu lassen. Das ausgedehnte Grundstück wurde 1972 vom ehemals vorwiegend mit Obstbäumen bepflanzten Nutzgarten zum Landschaftsgarten umgestaltet und als Amtmann-Ziegler-Garten der Öffentlichkeit übergeben. In den Jahren 1998-2000 entstand durch Ausgrabung und Restaurierung der Reste der alten Befestigungsanlagen der Burgpark: Erdanschüttungen wurden beseitigt und Teile der ehemaligen Gewölbe der Eckbastion (Kasematten) und der alten Schlossbrücke freigelegt. Ein Stück ältester Peiner Geschichte wurde damit wieder erfahrbar und erlebbar gemacht.
Auch der Amtmann-Ziegler-Garten wurde saniert und durch einen „Park der Sinne“ – unter anderem mit Summstein und Klangsäule bereichert.
Darüber hinaus hat sich das historische Gelände als Ort besonderer kultureller Veranstaltungen etabliert. So findet hier in jedem Sommer die „Burgpark-Nacht“ statt, ein stilvolles Open-Air-Fest, das der Kultur wechselnder internationaler Regionen (Venedig, Andalusien, Karibik…) gewidmet ist.

Ausführlich beschrieben wird die neu gestaltete Parkanlage in der Broschüre „Der Burgpark“, die Sie im Stadtarchiv Peine, im Rathaus sowie bei der Peine Marketing GmbH erhalten. 

Die Geschichte des Burgparks
Blick auf die „Bastion“ vor 1895; im Vordergrund der Heller
Die Geschichte des Burgparks
Das Amtmann-Ziegler-Haus um 1910/Heute ist der Burgpark ein idyllischer Platz im Herzen Peines
Die Geschichte des Burgparks
Der alte Brunnen aus dem alten Amtmann-Ziegler-Garten wurde in den „Park der Sinne“ integriert
Die Geschichte des Burgparks
Die Geschichte des Burgparks

Impressum: Herausgeber: Peine Marketing GmbH in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Peine
Text: Michael Utecht
Stadtarchiv Peine
Layout: Peine Marketing GmbH
© PeineMarketing 03 | 2004
Quellen:
Stadtarchiv Peine
Holländer, Ralf u. Winkelmann, Heinrich: Der Schloßberg in Peine. Eine Zusammenstellung der Fakten zur historischen Entwicklung, Peine 1997. Jürgens, H., Lütgens, H., v. Welck & Winkelmüller, O.: Die Kunstdenkmale der Provinz Hannover – Regierungsbezirk Hildesheim, Kreis Peine, Hannover 1938. Koch, E.F.J.: Geschichte der Dynastie, des Amtes, der Burg und Festung Peina in Niedersachsen, Peine 1846 Köster, August: Die Geschichte der Stadt Peine und ihrer Umgebung, Peine 1937 Quaritsch, Albert: Burg und Herren von Peine in alter Zeit, Peine (1922) Sonnenberg, Rolf: Das Leben des Reichsministerialen Gunzelin von Peyna. In: Peiner Persönlichkeiten, Peine 1999
Winkelmann, Heinrich: Johann Friedrich Ziegler. Ein Amtmann zwischen
Justiz und Poesie, Peine 1997 Zechel, Artur/Müller, Theodor: Die Geschichte der Stadt Peine, 3 Bde., Peine 1973-1982

Bezugsquelle: Stadt Peine | Stadtarchiv | Windmühlenwall 26 | 31224 Peine
Telefon: 05171/49-538 | Fax: 05171/49-951
Internet: www.peine.de

Der Text stammt aus dem Flyer „Die Geschichte des Burgparks“