Die Häuslinge in der Gemeinde Handorf 1848

Archiv Sonderblatt 3/2003

von Michael Utecht

„Geht in Tagelohn und spinnt im Winter“ – so lautete die Beschäftigungsangabe für etwa die Hälfte der Handorfer Häuslinge, die 1848 von N. Hüsig im amtlichen Auftrag registriert wurden.

Die übrigen Häuslinge hielten sich durch ähnliche Tätigkeiten über Wasser: im Winter weben, im Sommer als Tagelöhner beim Bauern, bzw. als Schäferknecht oder Kuhhirte bei der Gemeinde – das Angebot an Arbeitsmöglichkeiten war nicht besonders vielfältig und lukrativ schon gar nicht.

Immerhin, es gab auch erste Anzeichen einer einsetzenden Industrialisierung: Christian Fröchtling war bei der Eisenbahn untergekommen (1844 wurde die Bahnlinie Hannover – Braunschweig eröffnet), zusätzlich verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Schneider.

Einblicke in die überaus kargen Lebensverhältnisse, die 1848 herrschten, vermittelt eine Liste der Handorfer Häuslinge.

Es war eine von blanker Not geprägte Zeit – nicht nur in Handorf. Die Jahre 1846/47 standen im Zeichen einer allgemeinen Hungerkrise, die schließlich den Boden bereitete für die Revolution 1848.

Im Gegensatz zu den Vollbauernstellen besaßen die Häuslinge meist nur wenig oder gar kein Feld und lebten am Rand des Existenzminimums oder noch darunter.

Nur vier der hier genannten Handorfer Häuslinge zählten zu den Besitzern von Ackerland. Häufig handelte es sich um Kleinstflächen: Christoph Brandes gehörten lediglich 31 Ruten (= 677,04 m²; 1 Rute = 21,84 m²; 120 Ruten = 1 Morgen).

Der Viehbesitz beschränkte sich fast ausschließlich auf das Halten einer Ziege. Nur Heinrich Schoke besaß zwei. Behrend Schwenke und Conrad
Behrend, sowie der Gemeinde-Kuhhirte, konnten sogar eine Kuh ihr eigen nennen.

Zum Vergleich: Großköthner Heinrich Boes war Eigen-tümer von 3 Pferden, 1 Füllen (Fohlen, Anm. d. Verf.), 5 Kühen, 4 Rindern, 40 Schafen, 1 Schwein und 12 Gänsen, wie aus einer Steuerliste desselben Zeitrau-mes hervorgeht.

Innerhalb der bäuerlichen Dorfgemeinschaft besaßen die Häuslinge kein oder nur minderes Recht in der Gemeinde. Als Mieter mit eigenem Hausstand wohnten sie überwiegend in den Häusern der unteren Bauernklassen, um deren Einkünfte zu erhöhen. Teilweise lebten sie aber auch in gemieteten Häusern oder, wie oft die Hirten, in gemeindeeigenen Gebäu-den.

Etwas besser gestellt waren meist die Anbauer. Sie verfügten über ein eigenes – kleines – Haus. Neben etwas Land- und Viehbesitz betrieben sie oft ein kleines Gewerbe oder Handwerk wie Hufschmied oder Ge-meindebäcker. Dadurch hatten sie es etwas leichter, ihr Auskommen zu finden.

Quelle: Stadtarchiv Peine, Rep 51: Ha 2/12; Ha 7/51

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Nr. Vor- und Zuname
der Häuslinge
Besitzt Ackerland
Morgen
Besitzt Ackerland
Ruthen
Hält Vieh
Kühe
Stück
Hält Vieh
Ziegen
Stück
Hält Vieh
Schafe
Stück
Angabe der Beschäftigung
des Häuslings
A. Landbesitzer
1 Friedrich Schwenke54Geht in Tagelohn und webet im Winter
2 Behrend Schwenke3941Geht in Tagelohn und spinnt im Winte
3 Heinrich Schoke1922Geht in Tagelohn und webet im Winter
4 Christoph Brandes311Geht in Tagelohn und spinnt im Winter
B. Viehbesitzer
5 Hr. Brandes1
– Christian –1
– W. Ipkendanz –1Hält sich bei Pferdehändlern als
Makler auf, die Kinder hüten hier
die Schweine
6 W.w [Witwe] Bruns1Geht in Tagelohn und spinnt
7 Wolrath Ernst1Dient im Sommer als Schäferknecht
und spinnt im Winter
8 Christian Fröchtling2Geht nach der Eisenbahn und ist
Schneider
9 W. Bormann1
– Klages1Ist Gemeinde Kuhhirte
– Heinrich Habenau1Ist Gemeinde Pferdehirte
– Christoph Helwes1Geht in Tagelohn, die Kinder und
Frau hüten die Gänse und Kälber
– Conrad Bordfeld1Hat 2 ½ Morgen Land gepachtet und ist Tagelöhner und Weber
– (?) Helwes1
– Heinrich Schaperjahn1Geht in Tagelohn und spinnt im Winter
– Johann Schaperjahn1Hat 1 Morgen Land gepachtet und geht
in Tagelohn
– Conrad Habenau1Geht auf Tagelohn und spinnt im Winter
– Heinrich Rintelmann1
– Heinrich Harstick1
– Conrad Harstick1Ist Tagelöhner und hat 2 Morgen Land
gepachtet

Handorf 13. Decbr. 1848 W: N. Hüsig

(Auszug aus: Rep 51: Ha 2/12; die tabellarische Aufstellung entspricht auch im formalen Aufbau dem originalen handschriftlichen Verzeichnis.

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