DIE PEINER EULE - Vom Spottnamen zum Wahrzeichen

von Michael Utecht

Die Eule ist ein äußerst symbolträchtiger Vogel, der zu fast allen Zeiten Anlass war für mancherlei Aberglauben und Spökenkiekerei.

Schon im Altertum galt die Eule als Todesbote, ebenso in Ägypten. Die römischen Auguren sahen in ihr einen Unglücksbringer, und in Syrakus war sie der Herrscherin der
Unterwelt, Persephone, geweiht. Im Mittelalter geriet der Steinkauz als Zauber- und Hexenvogel in Verruf. „Leichenhuhn” war für ihn noch bis in die jüngste Vergangenheit eine gebräuchliche Bezeichnung (auf Grund seines „komm mit!“-ähnlichen Rufes).

Auf der anderen Seite sah man in der Eule einen Schutzgeist: Verbreitet war das Annageln einer Eule oder Teile von ihr an Ställen, Scheunen usw. gegen Blitzschlag, Feuer und anderes Unheil; gegen Behexung und Unglück schützte sie, wenn man sie unter der Stallschwelle vergrub. In Athen wiederum wurde die Eule als Sieges- und Glückszeichen verehrt. Sie war in der für die Athener siegreichen Schlacht bei Salamis auf einem ihrer Schiffe gesichtet worden

Bestens bekannt ist die Eule als Symbol des Studiums und der Weisheit, da sie sich in stillen Gemäuern aufhält und einsam die Nächte durchwacht.
Aber auch als Spottname musste sie herhalten, namentlich für das „Eulennest” Peine.

Die „Geschichte von der Eule zu Peine” wurde erstmals gedruckt in der im Jahr 1563 von Hans Wilhelm Kirchhof herausgegebenen Schwanksammlung „WendeUnmuth“.
Sie ist verschiedentlich nacherzählt und veröffentlicht worden, u. a. auch in der Märchensammlung der Gebrüder Grimm. Hier nun die „Urversion” in einer sprachlich modernisierten Fassung:

„In dem Stift Hildesheim liegt ein Städtlein, Peine genannt; daselbst hat sich vor langen Jahren, als die Leute noch nicht so klug und verschmitzt waren wie heute, eine seltsame und abenteuerliche Geschichte zugetragen.
Es war des Nachts von ungefähr eine von den großen Eulen, die man Schuhu nennt, in die Scheune eines Bürgers geraten, und aus Furcht vor den anderen Vögeln wagte sie sich bei Tage nicht aus ihrem Schlupfwinkel heraus.
Als nun am Morgen der Knecht des Bürgers in die Scheune kam, um Stroh zu holen, wurde er des Vogels gewahr, erschrak heftig und lief eilends zu seinem Herrn, um ihm zu melden, was für ein seltsames Tier in der Scheune säße. Der Bürger ging sogleich mit in die Scheune; als er aber das greuliche Tier mit eigenen Augen sah, geriet er in nicht geringere Angst als der Knecht. Er lief, so schnell er konnte, und rief die ganze Nachbarschaft zu Hilfe.

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Die Nachbildung dieses Eulen-Pokals ist im Foyer des Peiner Veranstaltungszentrums „Forum“ ausgestellt
DIE PEINER EULE - Vom Spottnamen zum Wahrzeichen
„Aushängeschild“ mit Symbolcharakter: Die Eule findet sich auch an einigen Gebäuden in der Peiner Innenstadt wieder
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Bronze-Eule auf einem Findling im Eingangsbereich des Stadtparkes.

Da entstand bald großer Lärm und viel Geschrei durch die ganze Stadt. Die Bürger eilten herbei mit Harnischen, Büchsen und Spießen, um das Untier umzubringen.
Auch die Herren vom Rat und der Bürgermeister erschienen, als gelte es, gegen den Feind zu gehen.
Selbst Weiber fanden sich vor der Scheune ein; die wies man aber fort, weil man fürchtete, schon der Schreck könnte sie töten.

Es war aber einer unter der Bürgerschaft, ein großer und starker Mann, der sich schon in manchem Krieg durch Tapferkeit und Mannhaftigkeit hervorgetan hatte.
Der schalt die anderen wegen ihrer Kleinmütigkeit und sprach: „Durch Ansehen wird das greuliche Tier nicht vertrieben; Ernst müssen wir gebrauchen und Hand anlegen.
Aber ich sehe wohl, ihr seid alle zu Weibern geworden und keiner will den Fuchs beißen!”
Er ließ sich also seinen Harnisch, Degen und langen Spieß bringen, dann legte er die Leiter an die Scheune, um allein hinaufzusteigen und zu sehen, was das Untier vermochte. Sein Vorgehen wurde von den meisten gelobt, manche aber waren um ihn besorgt; darum empfahlen sie ihn dem lieben Ritter St. Georg, der den Drachen getötet, wünschten ihm Kraft und Überwindung und riefen ihm beim Hinaufsteigen zu, er solle mannlich fechten. Als er aber bald oben war und die Eule sah, daß er an sie wollte, blieb sie still sitzen; denn von der Menge des Volkes und dem Geschrei war sie verwirrt und wußte nicht, wo hinaus. Und so verdrehte sie die Augen, sträubte die
Federn spreizte die Flügel, sperrte den Schnabel auf und ließ gar schrecklich ihre Stimme hören: „Schuhu, schuhu, schuhu!”

Da riefen sie unten alle insgemein: „Stich, stich, stich!” Der mannliche Held aber antwortete: „Wenn ihr hier ständet, wo ich stehe, würdet ihr nicht sagen: Stich, stich, Stich!”
Vor Ängsten wäre er bald von der Leiter gefallen, und er kam halb ohnmächtig unten wieder an. Danach wagte es keiner mehr, sich in die Gefahr zu begeben; denn sie glaubten alle, das Ungeheuer habe mit seinem Hauch ihren stärksten Krieger vergiftet. Da es nun aber allen klar war, daß dieses giftige Untier getötet werden mußte, wenn nicht die ganze Stadt großen Schaden davon erleiden sollte, so wurde mancherlei beratschlagt, was hier zu tun sei.

Endlich fand der Bürgermeister einen Ausweg und sprach: „Ihr seht, liebe Bürger, daß es eine gar wichtige Sach ist, da das Wohl der ganzen Gemeinde auf dem Spiele steht.
Darum seh’ ich’s für das Beste an, daß wir aus gemeinsamem Säckel diese Scheune samt allem, was darin liegt an Getreide, Stroh und Heu, dem Eigentümer bezahlen, dafür
aber das ganze Gebäude samt dem erschrecklichen Untier verbrennen. Denn es ist besser, dieser Mann baut eine neue Scheune, als daß wir alle in Sorgen leben müssen.”

Also ward die Scheune an allen vier Ecken angezündet und mit ihr die Eule jämmerlich verbrannt. Die Peiner aber müssen noch heutigentags das Gespött darum leiden, so sehr es sie auch verdrießt. Wer’s nicht glauben will, der gehe nach Peine; doch hüte er sich, nach der Eule zu fragen!“

DIE PEINER EULE - Vom Spottnamen zum Wahrzeichen
Der älteste erhaltene Eulenpokal (von 1661). Er befindet sich heute im Kästner-Museum, Hannover
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Titelillustration aus einem Fest-Buch für den nationalen Gesangswettstreit zu Peine am 12.05.1907.
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Hausfassade am Marktplatz Peine.
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Älteste teilperspektivische Darstellung der Stadt Peine von 1675.

Inwieweit dieser Sage historische Tatsachen zugrunde liegen, lässt sich natürlich nicht nachweisen. Doch dass die Peiner davon nicht sonderlich erbaut waren, ist verständlich und wird durch folgenden überlieferten Vers erhärtet:

„Ist einer keck, zieh er gen Pein,
Und geh daselbst zum Bier und Wein,
Frag sie, was ihn’ die Eul gethan,
Warumb sie die verbrennet han.
Und trink mit ihn’ den letzten aus,
Kommt er ungeschlagen wieder hrauß,
Wil ich ihm, was er drinn verzecht,
Duppelt bezahlen, wie es recht.”


In einer anderen Version der Eulensage kommen die Peiner zunächst besser weg – eine in Klammern angefügte Schlussvariante macht den erfreulichen Ausgang der Geschichte allerdings wieder zunichte:

„Vor langer Zeit ließ sich eine Eule auf dem Wartturm der Vorburg nieder und fing an, unter dem Dache ein Nest zu bauen. Mit offenem Munde staunte die Besatzung das Tier an und geriet in Furcht angesichts des unbekannten und furchterregenden Wesens. Man sucht den ungebetenen Gast zu vertreiben, doch umsonst, er kommt immer wieder. Schließlich legt man Feuer in den Turm, die Eule jedoch fliegt zur Stadt hinüber. Die Peiner aber fürchten sich nicht, nehmen den Fremdling wohlgemut auf und verehren die Eule als einen Schutzgeist. (Kluge Leute behaupten freilich, auch die Peiner Bürger hätten den sonderbaren Ankömmling durch Feuer vertreiben wollen und
dabei die ganze Stadt eingeäschert.)”

Neben den Legenden gibt es einen weiteren Erklärungsversuch, die Eule mit Peine in Verbindung zu bringen: Da die Burg Peine von tiefen, unwegsamen und tückischen Mooren umgeben gewesen sei, habe man sie allein ihrer düsteren Lage wegen „Ulennest” genannt. Durch die Vorliebe des Mittelalters, allem etwas Sagenhaftes anzuhängen, könnte daraus die Sage entstanden sein, die dann auch zur Verspottung der Stadt diente.

Eine völlig neue Bedeutung erhielt die Eule während der Hildesheimer Stiftsfehde (1519 – 1523). Mehrmals wurde die Burg Peine belagert und bestürmt, hielt aber allen Eroberungsversuchen stand. Großen Anteil daran soll die Eule gehabt haben, schenkt man denn den Legenden Glauben. Verschiedene Versionen stehen zur Verfügung.

Zum Ersten:
Unbemerkt konnte sich eine Gruppe der Belagerer bis an die Burgmauern heranschleichen. Sie richteten Leitern auf und begannen, die Bastion zu ersteigen. Das Glück war ihnen offenbar günstig, denn keiner der Wächter gewahrte das drohende Unheil. Doch plötzlich schraken die Wachposten und auch die Angreifer auf ihren Leitern zusammen, denn ein durchdringender, eigenartiger Schrei ertönte durch die Nacht. Es war der schnarchende Ruf einer Eule, die bei der gefährdeten Stelle in einem alten Geschützrohre brütete. Sie hatte die Geräusche von der Außenseite der Mauer vernommen und ihr Warngeschrei erschallen lassen.

Die Wächter eilten nun herbei, um die Ursache der aufreizenden Eulenrufe zu erkunden. Dabei entdeckten sie die Feinde, die schon beinahe die Mauer erstiegen hatten. Gerade gelang es noch den sofort alarmierten Burginsassen, von oben herab die Angreifer abzuwehren. Die zahlenmäßig überlegenen Verteidiger hatten sich schnell formiert, und die Mitglieder der kleinen Angreiferschar mussten den missglückten Überrumpelungsversuch aufgeben, wenn sie nicht samt und sonders erschlagen werden wollten. Fluchend und kämpfend zogen sie sich zurück!

So wurde die Burg vor einem schweren Geschick durch die Warnung der Eule bewahrt. Seit jener Zeit lautet der Wahlspruch der Peiner:
Peine was maket so feste, dat de Ule blev sitten in’n Neste!”
Die Angreifer sagten, um ihren Misserfolg zu entschuldigen: „Da hatt ne Ule säten!”

Bei dieser Darstellung ist anzumerken, dass es zu allen Zeiten der Fehde so kritisch um die Verteidigung der Burg gestanden hat, dass sicher alle vorhandenen Geschütze und Waffen ohne Ausnahme gebraucht wurden. Selbst in einem Kanonenrohr älteren Datums hätte eine Eule wohl kaum einen ruhigen Schlaf- oder Nistplatz gefunden. Nichtsdestoweniger kann natürlich ein Eulenschrei in beschriebener Weise erklungen sein.

Zum Zweiten:
Die Übermacht der Angreifer war so groß, dass die Stadt aufgegeben und geräumt werden musste. Die Einwohner flüchteten auf die Burg; nicht ohne die Stadt – auf Befehl des Burgherrn Fritz von Oberg – selbst angezündet und in Asche gelegt zu haben.
Nun konzentrierten sich die Angreifer auf die Burg und schossen mit schwerem Geschütz bis zum Abend. Eine letzte Kugel schlug in den Wachturm, „Güntzel” genannt, ein. Im gleichen Augenblick war das Schnarchen einer Eule zu vernehmen, die auf ihrem Nest saß und brütete. Fritz von Oberg hörte diesund sagte zu einem seiner Mitstreiter: „Burg Peine was maket so feste, dat de Ule blev sitten in’n Neste.”

Eine sehr „fabelhafte” Verknüpfung der Ereignisse, die ebensowenig zu beweisen ist wie folgende Behauptung.

Zum Dritten:
Die Peiner Eule sei ein Geschütz gewesen. Friedrich von Bodenstedt erwähnt in seinen Erinnerungen Bd. 1 (Berlin 1888), dass eine solche Kanone, welche die „Eule” benannt sei, unter den Braunschweiger Heerscharen schwere Verwüstung angerichtet haben soll.
Das scheint allerdings widerlegt. Falls ein solches Geschütz überhaupt vorhanden war, hatte es seine Bezeichnung nur, weil Peine längst als „Eulennest” bekannt war. Aber weder in den damals üblichen Landsknechtliedern noch in zeitgenössischen Beschreibungen und Chroniken wird ein „EulenGeschütz” erwähnt. Im Gegenteil wird berichtet:
„Sie (die Peiner, Anm. d. Verf.) hatten wohl etliche Geschütze auf dem Walle, .. aber es geschah damit wenig Schadens.”

Zum Vierten:
Auf der Burg sei ein großes Geschütz vorhanden gewesen. In dessen Rohr habe eine Eule genistet, weil es aufgrund der festen Lage und wirksamen Verteidigung durch die Besatzung nicht benutzt zu werden brauchte.
Hier kommt es bereits zu einer Vermischung der Legenden – ohne jedoch ein realitätsnäheres Ergebnis herbeizuführen.

Zum Fünften:
In dem Rohre eines auf der Burg befindlichen großen Geschützes habe eine Eule genistet. Deswegen sei das Geschütz unbenutzt geblieben. Ohne den Verteidigern Böses nachsagen zu wollen: Die wenig erquickliche Situation, in der die Peiner sich befanden, dürfte so viel Tierliebe nicht zugelassen haben.

Zum Sechsten:
Der Schutzgeist der ehedem so jämmerlich verbrannten Eule habe die Burg beschützt und gerettet. Mit dem Rückgriff auf die ursprüngliche Eulensage schließt sich der Kreis. Gleichzeitig liefert die märchenhafte Ausdeutung den versöhnlichen Abschluss einer unrühmlichen Episode. Als wahrer Kern der Legenden bleibt offensichtlich nur die Tatsache, dass die Burg Peine auf grund ihrer Uneinnehmbarkeit das verspottete Eulennest in neuem Licht erscheinen ließ. Nach der Stiftsfehde jedenfalls standen die Peiner zu „ihrer” Eule und erhoben sie zum Wahrzeichen der Stadt. Am ehemaligen Burgtor brachte man – wie der Chronist Zeppenfeldt überliefert – eine steinerne Eule an und setzte darunter die Inschrift:
Noctua Peinensis custos, defenderat olim
Peinensis castri moenia, fama ut habet.
Ponimus hunc vigilem rursus peinensis ad arcis
Ingressum.
Hic noctis tempore bubo sedet.
Bubo oculis trucibus minatur et unguibus uncis.
Ulula, tu vigiles! Arx invicta manet.
(Der nächtliche Wächter von Peine hatte einst verteidigt die
Mauern der Peiner Burg, wie das Gerücht geht. Wir setzen diesen
Wächter wiederum an den Eingang der Peiner Burg. Hier sitzt zu
nächtlicher Zeit die Eule. Die Eule droht mit trotzigen Augen und
gekrümmten Krallen. Eule, sei wachsam! Dann bleibt unbesiegt
die Burg.)

Vom neuen Symbolgehalt der Eule zeugt auch eine frühe bildliche Darstellung auf der Peiner Hochzeitsschüssel aus dem Jahr 1534. In einer der Stiftsfehde-Szenen sieht man die Eule von Peine auf einem Vorsprung der Burgmauer sitzen. Mit gespreizten Flügeln wehrt sie sich gegen den roten Braunschweiger Löwen, der auf der anderen Seite des Burggrabens seine Tatze gegen sie erhoben hat.

Zeitgenössische Lieder und Gedichte bedienten sich ebenfalls der Eule als Verkörperung der Burg Peine und seiner Verteidiger.

DIE PEINER EULE - Vom Spottnamen zum Wahrzeichen
Die Peiner Eule als „Kriegswahrzeichen“ 1916.
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Zentraler Ausschnitt aus der Peiner Hochzeitsschüssel von 1534.
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Reine Ansichtssache: die BronzeEule am Stadtpark verführt zu unterschiedlicher Betrachtungsweise – auch der Geschichte?!
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Gedenkmünze – 1923 herausgegeben von der Stadt Peine anlässlich der 700-Jahr-Feier/Notgeld der Stadt Peine.

Auch die Eulenpokale stehen in dieser Tradition, sie wurden – insbesondere im 17. Jahrhundert – vom Rat der Stadt an einflussreiche Personen verschenkt, um diese zu ehren bzw. für die Interessen der Stadt günstig zu stimmen. Der älteste erhaltene Pokal wurde 1661 gefertigt und befindet sich im Kestnermuseum Hannover; eine Nachbildung aus dem Jahr 1928 – von der Stadt Peine als Wanderpokal für das Rennen um die „Silberne Eule” gestiftet – ist im Foyer des Forums ausgestellt. Preise in Eulenform wurden häufig vergeben; schon 1907 erhielt bei einem hier ausgetragenen „Gesangswettstreit” der siegreiche Gesangverein einen silbernen Eulenpokal.


Im Ersten Weltkrieg dagegen diente die Eule als „Kriegswahrzeichen”. Auf dem Marktplatz wurde im Mai 1916 die „Eiserne Eule” aufgestellt, eine auf einem steinerne Sockel
ruhende hölzerne Rundsäule, auf der die Peiner Eule thronte. Die Säule war zu einer sogenannten „Nagelung” vorgesehen, eine besondere Spendenaktion für die Kriegshinterbliebenen und Versehrten, wie sie damals in ähnlicher Form in allen deutschen Städten durchgeführt wurde: Die Bevölkerung wurde aufgerufen, Nägel käuflich zu erwerben und einzuschlagen.

Zwei Jahre später kam die Eule erneut zum amtlichen Einsatz. Es herrschte ein allgemeiner Mangel an Zahlungsmitteln, und die Stadt Peine gab im November 1918 ersatzweise Notgeldscheine heraus, deren Rückseite als zentrales Motiv jeweils die Eule zierte.
Erinnert sei an dieser Stelle an die Eulenburg im heutigen Stadtteil Telgte, die sich mit dem bekannten Spruch schmückte:
Peine war gemacht so feste, dass die Eule blieb im Neste”. Im 17. Jahrhundert als Wirtshaus entstanden, gelangte das Gebäude durch den Roman des Freiherrn Knigge „Die Reise nach Braunschweig” zu einer gewissen Berühmtheit. Das einst beliebte Ausflugslokal ist mittlerweile abgerissen. An seiner Stelle befindet sich seit 1988 ein Lebensmittelmarkt.

Die offensichtliche Werbewirksamkeit der Eule machten sich natürlich auch heimische Firmen zunutze. So produzierte beispielsweise eine Peiner Kaffeerösterei bis in die
50er Jahre einen „Eulen-Kaffee”.

Damals wie heute schmücken sich verschiedene Vereine mit der Eule, und als dekoratives Element ist sie auch an einigen Peiner Hausfassaden vertreten. Im Zeichen der Eule steht zudem das 1985 ins Leben gerufene Stadfest, der alljährliche „Eulenmarkt”.

1992 schließlich wurde ihr ein Denkmal gesetzt. Die von dem Künstler Hans Nowak (1922-1996) geschaffene Eule aus Bronze hockt auf einem Findling im Eingangsbereich des Stadtparkes und blickt wachsam auf das Peiner Rathaus.

Seit 1999 wirkt das symbolträchtige Tier – im neuen „Uhlinchen-Design” – als Werbeträger für städtische Veranstaltungen und macht Peine als „Eulenstadt” auch über die regionalen Grenzen hinaus bekannt.

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Die „Eulenburg“ Telgte um 1905/Anzeige aus dem Adressbuch Peine von 1927
DIE PEINER EULE - Vom Spottnamen zum Wahrzeichen
„Uhlinchen“ ist Peines Maskottchen und wirbt als Sympathieträger für die Stadt.
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Herausgeber:
Stadt Peine, Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Repräsentation. Fotos: Bierwagen, Gasparini, Walther. Quellen: Stadtarchiv Peine: Zeitgeschichtliche Sammlung Damen-Conversationslexikon, Leipzig 1834 Drobek, A.: Die Eule von Peine. In: Peiner Heimatkalender 1940 Gerlach, Richard: Die Gefiederten. Hamburg 1953. Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens Bd.2, Berlin; New York 1987. Heimatliche Plaudereien. Aus Peines vergangenen Tagen. In: Die Eule. Heimatbeilage zur Peiner Ztg. 1933, Nr. 3.
Landkreis Peine. Ein Heimatbuch. Peine 1965. Lexikon der Antike, Leipzig 1985. Petersen, Johannes: Die silberne Eule. In: Peiner Heimatkalender 1984. Quaritsch, Albert: Die Eule. Das Wahrzeichen von Peine. In: Hannoversche Geschichtsblätter 1900, Nr. 43 Quaritsch, Albert: Von der Eule zu Peine. In: Peine-Ilseder Werkszeitung, 1922, Nr. 27 Sagen aus Niedersachsen, Frankfurt/M.; Berlin 1986 Zeppenfeldt [, Ignaz]: Bruchstücke zur Geschichte der Burg Peine. In: Beitr. z. Hildesh. Gesch. – Hildesheim: Gerstenberg Bd 1, 1829, 444-446

Stadtarchiv Peine:
Ganz in der Nähe der Fußgängerzone im Zentrum Peines befindet sich das Stadtarchiv, das Ihnen eine umfangreiche Sammlung verschiedenster historischer Dokumente bietet. Sie sind herzlich willkommen, sich in den Räumen des Archivs über die geschichtliche Entwicklung der Stadt zu informieren. Die Nutzung der vielfältigen Archivalien ist unentgeltlich.

Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag 08.30 – 12.00 Uhr
Donnerstag 14.00 – 18.00 Uhr
Außerdem auch nach telefonischer Absprache
Anschrift:
Windmühlenwall 26 | 31224 Peine | Telefon: 0 51 71 / 49 538

Bezugsquelle:
Stadt Peine | Büro des Rates
Kantstraße 5 | 31224 Peine | Telefon: 05171/49-286 | Fax: -225
Internet: www.peine.de 

Der Text stammt aus dem Flyer „DIE PEINER EULE – Vom Spottnamen zum Wahrzeichen“