Die 200jährige Geschichte des Gadenstedter Pferdegrabes

Die ursprüngliche Ruhestätte

WILHELM ADOLF FRIEDRICH von GADENSTEDT, 1788 auf Gut Gadenstedt geboren und dort 1862 gestorben, kam während Napoleons Krieg gegen die Franzosen als 21-jähriger Kornett in ein österreichisches Reiterregiment. In der Schlacht bei Wagram 1809 wurde sein Schwadron aufgerieben. Nur 17 Männer kamen zurück. Ihn selbst rettete sein schnelles Pferd.

In Gedenken an diese Begebenheit aus der Zeit der Freiheitskriege wurde das Pferdegrab errichtet. Generationen von Gadenstedtern schätzten diese Grabstelle in der östlichen Rittergutsfeldmark. Sechs hohe Pappeln machten von weitem schon auf diesen Ort aufmerksam („an´n sess Pippeln“). Markantes Wahrzeichen dieser Begräbnisstelle war ein schwerer Findling mit eingelassener Gussplatte und Inschrift. 

Gadenstedt
Standort des Pferdegrabes ->
Gadenstedt
Gadenstedt
<- An der Kirche in Gadenstedt

Inschrift Findling: Begräbnisstelle des Pferdes, das den General v. Gadenstedt 1809 in der Schlacht bei Wagram

Der Bau der Umgehungsstraße B 444

Im Jahre 1963 verfügte die Straßenbaubehörde, die kurvenreiche Ortsdurchfahrt bei ständig zunehmenden Straßenverkehr durch den Bau einer Umgehungsstraße zu entlasten. Bei der Planung der Streckenführung nahm sie keine Rücksicht auf die an der damaligen Kreuzung vom Sülteweg und Tiefer Weg gelegene Grabstelle. Bitten um geringfügige Trassenverschiebung blieben erfolglos. 

Die Grabstelle wurde beseitigt, der Gedenkstein in den Gutspark ausgelagert. Hier kam es später zur mutwilligen Beschädigung der Texttafel. 

Nach dem Tode des letzten Besitzers des Rittergutes Frau Charlotte Hinze, gelang es dem Verwalter Ecklebe, die zerbrochene Gedenktafel im Keller des Gutshauses aufzubewahren. Dort wurde sie vom Erben, Dr. Glenn Hinze-Tully, entdeckt und der Heimatgruppe Gadenstedt übergeben.

Der heutige Standort

Auf Initiative von Fritz Timpe wurde eine Erneuerung der Gedenktafel mit dem Ziel vorbereitet, die historische Gedenkstätte der Öffentlichkeit an einem zentralen Ort wieder zugänglich zu machen. 

Unter Mithilfe von Karl-Wilhelm Rump, Manfred Klingenberg und Jens Lichtenberg wurde der Findling vom Gutshof an den heutigen Standort transportiert. Durch die Nähe zu den Grabstellen der Familie von Gadenstedt auf dem Kirchhof ist die Zusammengehörigkeit für die Zukunft sichtbar zum Ausdruck gebracht. 

Dank der Unterstützung durch Mitglieder der Heimatgruppe Gadenstedt und des Kreisheimatpflegers Rolf Ahlers wurde ein Abbild der Gussplatte angefertigt und von Jobst Wehrmann originalgetreu in den Findling eingearbeitet. Am 9. Dezember 2009 wurde der Stein seiner Bestimmung übergeben. 

Gadenstedt
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Die Inschriften an den 3 Grabstellen:

  • Hier ruhet in Gott Frau LISETTE VON GADENSTEDT, geborene von Monteton, geb. 27. Juli 1856, gest. 1. Oktober 1889. Ps 73 v. 23 u. 24. Dennoch bleibe ich stets an Dir; denn Du hältst mich bei meiner rechten Hand. Du leitest mich nach Deinem Rath und nimmst mich endlich mit Ehren an. 
  • Hier ruhet in Gott ALBRECHT VON GADENSTEDT, Erbherr auf Gadenstedt und Volkersheim, geb. 1. September 1850, gestorben 31. Januar 1929. Jes. 54 v. 7. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. 
  • Hier ruhet in Gott VIKTORIA VON GADENSTEDT, geborene von Biel, geb. 21. Oktober 1870, gest. 30. April 1961. Josua 1, V. 5. Ich will dich nicht verlassen, noch von dir weichen.

Zur Schlacht bei Wagram hat auch ein Museum geöffnet. Weitere Informationen dazu lesen Sie auf: 

http://www.wagram1809.at

01/2021