Kleine Stadtchronik

Archiv Sonderblatt 2/2006

von Michael Utecht

1130 – Der Name Peine wird erstmals urkundlich erwähnt: Berthold von Pagin (=Peine) ist in Braunschweig Zeuge eines Gutsverkaufs durch König Lothar III. Berthold ist der erste urkundlich überlieferte Bewohner der Peiner Burg.

1192/1193 – Die Burg wird von einem Sohn Heinrichs des Löwen vollständig zerstört.

1196 – Graf Ludolf von Peine, ein Nachkomme Bertholds von Pagin, beginnt mit dem Neubau der Burg.

1200 – Nach Ludolfs Tod fällt die Grafschaft Peine an Gunzelin von Wolfenbüttel. Zwei Jahre später wird Gunzelin Truchsess (hoher Hofbeamter)
Kaiser Ottos IV.

um 1220 – Reichstruchsess Gunzelin von Wolfenbüttel gründet unmittelbar neben seiner Burg eine städtische Ansiedlung, aus der sich die heutige Stadt Peine entwickelt. Das Gründungsjahr beruht auf einer durch aktuelle archäologische Funde bestätigten Annahme; die ältesten schriftlichen Hinweise beziehen sich auf das Jahr 1223.

1256 – Herzog Albrecht von Braunschweig-Lüneburg erobert die Stadt Peine, die Burg hält dem Eroberungsversuch stand.

1258 – Erste urkundliche Erwähnung der Stadt Peine.

1260 – Stadt und Grafschaft Peine fallen an das Stift Hildesheim. Von den Bischöfen wird Peine in den folgenden Jahrhunderten häufig verpfändet, um Schulden zu begleichen. Peine wird nach 1260 bischöfliche Münzstätte; bis 1428 (mit Unterbrechungen) werden hier Münzen geprägt.

1350 – Erste Erwähnung einer jüdischen Gemeinschaft in Peine, die 1458 im Zusammenhang mit der Vertreibung der Juden aus dem Hochstift Hildesheim aufgelöst wird. 

1382 – Erster Nachweis eines Rates der Stadt Peine.

1423 – Erster Nachweis einer städtischen Schule.

1473 – In den Jahren 1473/74 kommt es wegen einer Dürre und dem kalten Winter zu einer regionalen Hungersnot.

1510 – Stadtbrand: fast die gesamte Stadt wird vernichtet.

1519 – Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523): Peine wird dreimal belagert. Die
Stadt geht in Flammen auf, doch die Burg erweist sich als uneinnehmbar. Aus jener Zeit stammt der vom Volksmund geprägte Spruch „Peine was maket so feste, dat de Ule blev sitten in’n Neste“.

1542 – Rat und Bürgerschaft von Hildesheim bekennen sich zur lutherischen Lehre. Als Pfandinhaber sorgt die Stadt Hildesheim für die Durchführung der Reformation in Stadt und Amt Peine.

1553Peine gehört wieder zum Hochstift Hildesheim: Für 10.000 Gulden löst Bischof Friedrich von Holstein das Amt Peine von der Stadt Hildesheim aus, in deren Pfandbesitz es seit 1526 ist. Die offizielle Übergabe erfolgt jedoch erst im Frühjahr 1603.

1557 – Die Stadt brennt: auch das Rathaus und die Kirche auf dem Marktplatz werden zerstört. 

1572 – Bischof Burchard von Oberg bestätigt die alten Rechte der Stadt Peine, da sämtliche Urkunden durch den Brand 1557 vernichtet wurden.

1597 – Die ersten bekannten Statuten der Stadt Peine werden vom Rat herausgegeben. Im selben Jahr fordert die Pest in der Stadt viele Opfer.

1603 – Nathan Schay begründet auf dem Damm vor Peine eine jüdische Gemeinde, die im 18. Jahrhundert auf rund 300 jüdische Einwohner anwächst.

1608Peine wird wieder Münzstätte der Bischöfe. Diese Münze hat jedoch keinen guten Ruf, viele Münzen werden gefälscht oder minderwertig geprägt. 1627 wird die Münzstätte durch bischöfliche Verfügung aufgehoben.

1610 – Erster aus Peine bekannter Hexenprozess: Die der Hexerei beschuldigte Anna Polmann (geb. Ipkendanz) stirbt durch Folter im Gefängnis. 

1615 – Erster Nachweis einer katholischen Schule.

1618 – Beginn des Dreißigjährigen Krieges: Die Stadt erlebt alle Schrecken des Krieges mit Truppendurchzügen, Besatzungen, Plünderungen und Brandschatzungen, Pest und Währungsverfall; die Burgbesatzung wechselt zwischen Kaiserlichen, Schweden und Braunschweigern. Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel lässt 1633 die Wälle der Stadt abtragen und den Graben zuschütten, so dass die Stadt Angreifern schutzlos ausgeliefert ist. 

1628 – Der zwangsweise durchgeführten Gegenreformation müssen auch die Peiner Bürger Folge leisten – oder das Stadtgebiet verlassen. Um die Rekatholisierung weiter voranzutreiben, wird der Dichter und Jesuit Friedrich von Spee als Priester nach Peine gesandt. 1629 wird er in der Nähe von Woltorf bei einem Mordanschlag so schwer verletzt, dass er seine Tätigkeit aufgeben muss und Peine verlässt.

1658 – Der Hildesheimer Landtag beschließt, Peine zur Landesfestung auszubauen.

1669 – Einrichtung eines Kapuzinerklosters (heute: kath. Pfarrhaus).

1714 – Erster Nachweis einer jüdischen Synagoge. Sie wird im Garten des Hauses Damm 12 erbaut und erst 1907, nach dem Bau der neuen Synagoge an der Bodenstedtstraße abgerissen.

1756 – Der Siebenjährige Krieg bringt für Stadt und Amt Peine große Repressionen. Hohe Kontributionen belasten die Stadt schwer, an den Schulden hat sie noch lange nach Kriegsende zu tragen.

1802 – Besetzung des Hildesheimer Stiftsgebietes und der Stadt Peine durch preußische Truppen.

1803 – Mit dem Reichsdeputationshauptschluss wird das Fürstbistum Hildesheim aufgelöst. Im Zuge dieser Säkularisation (Entmachtung des Fürstbischofs und Enteignung von Kirchengütern) gelangt Peine unter preußische Verwaltung. Beginn der Abrissarbeiten an den Schlossgebäuden.

1807 – Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon 1806 wird Peine im neugegründeten Königreich Westfalen in das Departement Oker unter König Jerôme, dem Bruder Napoleons, eingegliedert. Die Verwaltung wird nach französischem Vorbild umgestaltet. Diese „Franzosenzeit“ endet nach der Leipziger Völkerschlacht im Oktober 1813.

1815 – Konstituierung des Amtes Peine. Stadt und Amt sind Teil des Königreiches Hannover.

1827 – Das Rathaus am Marktplatz wird nach Abbruch des alten Gebäudes an gleicher Stelle neu erbaut.

1835 – Das „Wochenblatt der Stadt Peine“ ist die erste Peiner Zeitung.

1843 – Der erste Eisenbahnzug fährt von Hannover nach Peine (Telgte); die Bahnstrecke Hannover – Peine – Braunschweig wird 1844 eröffnet.

1852 – Vereinigung des Dammes mit der Stadt.

1858 – Gründung der Ilseder Hütte.

1866 – Das städtische Gaswerk wird in Betrieb genommen. Das Königreich Hannover wird von Preußen annektiert. Damit gehört Peine zur preußischen Provinz Hannover.

1868 – Einweihung des Neubaus der katholischen Kirche.

1872 – Gründung des Peiner Walzwerks. Bereits 1873 geht das neugebaute Werk in Betrieb. Peine entwickelt sich zu einer mittleren Industriestadt. Die Bevölkerungszahl steigt von 3000 Einwohnern zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf über 10.000 im Jahre 1890.

1885 – Gründung des Landkreises Peine im Zuge der preußischen Verwaltungsreform.

1887 – Erstes Peiner Krankenhaus (an der Sedanstraße).

1888 – Zentrale städtische Wasserversorgung: Auf dem Friedrich-Ebert-Platz wird der Wasserturm in Betrieb genommen.

1896 – Das Telefon wird in Peine eingeführt.

1899 – Einweihung der neuen Jakobi-Kirche.

1902 – Eine städtische Badeanstalt wird an der Fuhse eröffnet.

1907 – Neubau der jüdischen Synagoge

1916 – Beginn der städtischen Stromversorgung.

1922 – Eröffnung des Theatergebäudes „Peiner Festsäle“.

1929 – Das Teilstück Hannover-Peine des Mittellandkanals wird fertiggestellt.

1936 – Der Autobahnabschnitt Lehrte-Peine-Braunschweig wird freigegeben.

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1938 – In der „Reichskristallnacht“ wird durch planmäßige Brandstiftung die Synagoge zerstört. Hans Marburger, Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie, wird in der Synagoge ermordet. An dem Ort der zerstörten Synagoge steht heute als Mahnmal eine steinerne Säule.

1945 – Am 10. April wird die Stadt kampflos an die vorrückenden amerikanischen Truppenverbände übergeben. Von unmittelbaren Kriegseinwirkungen bleibt die Stadt weitgehend verschont.

1946 – Bildung des Landes Niedersachsen: Peine gehört jetzt zum Regierungsbezirk Hildesheim.

1960 – Einweihung des neuen Rathauses.

1961 – Eröffnung des neu errichteten (dritten) Bahnhofsgebäudes.

1966 – Der Fuhsering (Teilstück H.-Ehlers-Str. – Th.-Heuss-Str.) wird mit der Bahnunterführung für den Verkehr freigegeben.

1967 – Unterzeichnung der Städtepartnerschaft Heywood-Peine.

1971 – Einrichtung der Fußgängerzone in der Breiten Straße (bis zur Querstraße).

1974 – Gebietsreform: Mit der Eingemeindung von 14 Umlandgemeinden wächst die Stadt um etwa 20.000 auf knapp 50.000 Einwohner. Peine gehört jetzt zum Regierungsbezirk Braunschweig.
Fertigstellung des Stadtmitte-Projektes mit Karstadt-Warenhaus.

1975 – Stahlkrise: Durch den weltweit einsetzenden Niedergang der Stahlindustrie gehen in Peine innerhalb weniger Jahre von bis dahin 23.000 rund 10.000 Arbeitsplätze verloren. Der Stadt droht der Verlust ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlage.

1976 – Einweihung der Fußgängerbrücke in der Bahnhofstraße.

1978 – Freigabe der Nord-Süd-Brücke für den Verkehr. Peine gehört jetzt zum Regierungsbezirk Braunschweig.

1984 – Inbetriebnahme des Jugendzentrums „Töpfers Mühle“.

1985 – Offizielle Einweihung der Stadtbücherei im „Schmedenstedthaus“ und des Jugendzentrums „Töpfers Mühle“
Neugestaltung des dem Place de la Concorde in Paris nachempfundenen Hagenmarktes.

1986 – Fertigstellung des historischen Marktplatzes.

1987 – Baubeginn des Unternehmensparks (UPP). Die 1990 fertiggestellten Gebäude bieten Firmen aus verschiedenen Branchen Platz. Der Bau des UPP II wird 1993 abgeschlossen.

1988 – Das Forum wird in Betrieb genommen. In dem Kultur- und Veranstaltungszentrum befindet sich auch das Stadtarchiv.
Einweihung des Kreismuseums durch den Landkreis.

1990 – Die Städtepartnerschaft Peine-Aschersleben wird besiegelt. Fertigstellung des Friedrich-Ebert-Platzes, mit 23.000 qm Peines größter Platz.

1994 – Standortentscheidung für den Bau des Elektrostahlwerks der Salzgitter AG in Peine. 1996 erfolgt die offizielle Inbetriebnahme.

1996 – Die Stadt Peine bricht das von der Deutschen Bahn AG erworbene Bahnhofsgebäude 1995 ab und errichtet das Nahverkehrs- und Busterminal. Als erster kommunaler Bahnhof in Deutschland wird das Gebäude 1996 eingeweiht.

2000 – Offizielle Übergabe des Burgparkes mit den freigelegten und sanierten Resten der historischen Burganlage.
Das Landesfest „Tag der Niedersachsen“ bildet den Höhepunkt der Festlichkeiten „777 Jahre Stadtrechte“.
Die Städtepartnerschaft zwischen Peine und Tripolis (Griechenland) wird besiegelt.

2003 – Die Stahlwerkbrücke wird am 18. September offiziell freigegeben. Das Bauwerk überspannt das Gelände der Salzgitter AG und komplettiert die Ostumgehung.

2004 – Die Restaurierung der Traditionsgaststätte Weißer Schwan, eines der bedeutendsten Baudenkmale in Peine, wird abgeschlossen. Im Jahr 2001 hatte die Stadt das älteste Fachwerkhaus (um 1595) in der Kernstadt angekauft und vor dem sicheren Verfall bewahrt.

2005 – Bei Grabungen an der im 12. Jh. errichteten Vöhrumer Wasserburg wird eine erstmals in Niedersachsen vorgefundene Form der Pfahlgründung freigelegt.

Bezugsquelle: Stadtarchiv Peine

Der Text stammt aus dem Flyer: „Archiv Sonderblatt 2/2006“ Kleine Stadtchronik.