Neue Braupfanne für das städtische Brauhaus 1625

Archiv Sonderblatt 3/2015

von Michael Utecht

„Zu Ihrrer Bürger bestes“: Beschaffung einer neuen Braupfanne für das städtische Brauhaus im Jahre 1625

Im 17. Jahrhundert war die Biersteuer eine ergiebige städtische Einnahmequelle. Die brauenden Bürger mussten Braugeld an die Kämmereikasse entrichten und es gab Einnahmen aus dem Bierumsatz im Ratskeller, den anderen Peiner Gaststätten und nicht zuletzt dem städtischen Brauhaus. Die steuerlichen Erlöse, die sogenannte Bierakzise, wurden getrennt nach den beiden Biersorten Mumme und Broyhan berechnet und betrugen etwa im Jahr 1613 die stattliche Summe von 385 Gulden und 6 Groschen [1 Gulden/Florin (fl) = 20 Groschen (g); 1 Groschen = 8 Pf (d)].

Das stadteigene Brauhaus – seinerzeit vermutlich in der Echternstraße gelegen – warf allerdings nicht nur stetige Gewinne ab. Zur Instandhaltung der ertragreichen Stätte waren von Zeit zu Zeit auch erhebliche Investitionen erforderlich. Beispielsweise im Jahr 1625, als eine neue Braupfanne zu beschaffen war – ein in Peine nicht erhältliches Spezialprodukt. Also reiste eine städtische Abordnung nach Braunschweig, um die Anfertigung dort in Auftrag zu geben. Die finanziellen Aufwendungen dafür sind detailliert und präzise datiert im städtischen Rechnungsbuch festgehalten.

Am 12. Juli 1625 sind „die Heren Nach Brunswich Gewesen Undt [haben] dero Stadt Eine Nuwe BruwPanne [=neue Braupfanne] Zu Ihrrer Bürger bestes bestellet“.

Die Reisekosten machten dabei noch den geringeren Teil aus: 5 fl 8 g entfielen „auff die erste Reise nach brunswich“ inklusive „essen Undt Drincken undt Futter Vor Die Pferde“ sowie Fuhrlohn für den Kämmerer Harmen Floerken, der die Ratsherren nach Braunschweig befördert hatte. Nur 4 fl 5 g fielen bei der Abholung der Braupfanne am 21. August an bei der man „Eine Nacht auß gewesen“ war und den Verzehr für „3 Parsonen Undt Pferden“ berechnete. Außerdem mussten 4 fl 10 g dem „Zolleboten Zu Zollen gegeben Undt bezalet“ werden und auf der Stadtwaage waren 5 Groschen an „wagge geldt“ fällig.

All dies waren nur marginale Kostenpunkte im Vergleich zu dem georderten Erzeugnis, wie dem Registertitel „Auß Gabe Was die Bruwpanne Gekostet und was dar auff Bezaledt“ zu entnehmen ist. 

Die Braupfanne war „von Benedixek Becker In Brunswich gekofft“ worden und hatte, der Gewichtsklasse nach zu urteilen, imponierende Ausmaße: „Hefft am gewichte 8 ¼ C[entner]: 1£[Pfund]. Nach dem Gewicht bemaß sich auch der Preis: „den C[entner]: Vor 40 Thaller duth [=tut] 331 Thaller min[der] 1 ggr.“ Umgerechnet in Gulden – die gleichzeitig gebräuchliche Währung – ergab das die stolze Summe von 593 fl 18 g 3 d. Ein Betrag, den man in Raten beglich: 91 Reichstaler sofort, am 17. November weitere 91 Reichstaler 24 Groschen. Parallel berechnete man das wiederum in Gulden und kam auf insgesamt 328 fl 6 g. Die restlichen 263 fl 16 g 3 d – wie sich „In der Rechenschafft“ herausstellte, hatte man „ein thall[er] Zuviell gegeben“ – blieb man vorerst schuldig. 

Demgegenüber nehmen sich die übrigen Beträge, die für verschiedene Maßnahmen und handwerkliche Arbeiten zum Einbau der Braupfanne vor Ort notwendig waren, eher bescheiden aus.

So erhielt etwa „Henni Daldorp Vor 6 Dage arbedeslon So ehr an der Pfannen gearbedet Jederen Dag: 9 g“ – machte insgesamt 2 fl 14 g; mehrmals gab es für ihn und seinen Gesellen „So die Pfannen Vor Vertiget“ als zusätzlichen Obolus jeweils 1 fl 16 g „zu Drinck geldt“

Denselben Betrag bekam der „lementerer [=Lehmarbeiter] das ehr lemen Undt Steine In gedragen.“ Gering war das Entgelt für Gabriel Witte, dem als Reinigungskraft 18 Groschen gezahlt wurden, „das ehr die Pfannen gescheuret“

Neue Braupfanne für das städtische Brauhaus 1625
Neue Braupfanne für das städtische Brauhaus 1625
Neue Braupfanne für das städtische Brauhaus 1625
Ausschnitt aus dem Kämmereiregister von 1625. In der Überschrift heißt es: „Auß Gabe was die BruwPanne Gekostett undt was dar auff Bezaledt“
Neue Braupfanne für das städtische Brauhaus 1625
Neue Braupfanne für das städtische Brauhaus 1625

Relativ preiswert waren mit „1 fl 2 g […] die Holtzer So Umb die Pfannen“ gebaut werden mussten. Nur 2 Groschen mehr kostete „ein Foder Holtz Dar midt die Pannen außgekochet.“ Für ein weiteres Fuder Holz, „Dar midt die Pfanne außgesotten“, bezahlte man 1fl 1g. „10 Kar [=Karren] Vull Steinen“ brauchte man, „Dar midt die Pfanne In gemuhret“, d. h. eingemauert werden konnte und musste dafür 2 fl aufbringen.

Ein Kachelofen war auch noch im Brauhaus zu gestalten, eine Arbeit, die Gabriel Meier verrichtete: „8 fl 2 g – Gaberell Meier Vor den Kachelloven Undt etzliche Kachell DarZu gedan Im Bruwhus Gegebn Undt bezalet.“

Den Abschluss im Kämmereiregister bildet ein allgemeiner Titel, unter dem das an Hans Witte ausgehändigte Geld addiert ist. Es handelt sich um nicht näher bezeichnete allgemeine Unkosten, die er anscheinend nur mündlich erläutert hatte: „18 fl 4 g 2 d – Hans witten weggen des bruwhus was Dar Vor Unkostung auffgangen Undt Vor es an gewandt ludt Siner Dar Uber […] gegeben Rechenschafft.“

Bezogen auf den Gesamthaushalt des Jahres 1625 schlug die Braupfanne schmerzlich zu Buche und steigerte das damalige Defizit auf rund 690 Gulden. Denn während sich
die Ausgaben auf gut 3460 Gulden beliefen, konnten an Einnahmen lediglich rund 2770 Gulden verbucht werden.

Erheblichen Anteil an den roten Zahlen hatten im Übrigen die Aufwendungen für die in der Stadt einquartierten Soldaten. Denn es waren Kriegszeiten: 1618 hatte der Dreißigjährige Krieg begonnen, der auch die Stadt Peine nicht verschonte.

Bezugsquelle: Stadtarchiv Peine Kämmereiregister 1625; Zechel, Artur/Müller, Theodor: Die Geschichte der Stadt Peine, Band 1 u. 2, Peine 1973 u. 1975.

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Der Text stammt aus dem Flyer „Archiv Sondeblatt 3/2015“ Neue Braupfanne für das städtische Brauhaus 1625